Antrag: Qualifikation der Erzieherinnen erhöhen - für mehr Bildungsqualität der Kindertagesstätten

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Hannover, den 11.01.2005

Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Der Landtag fordert die Landesregierung auf, einen Stufenplan vorzulegen, mit dem die Ausbildungsstandards der Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten schrittweise anzuheben sind.
Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher ist mittelfristig auf Hochschulniveau anzuheben. Durch ein geeignetes Ausbildungskonzept ist einerseits die Orientierung der Ausbildung an der wissenschaftlichen Forschung und andererseits die Anbindung an die berufliche Praxis zu gewährleisten.
Kurzfristig sind berufsbegleitende Weiterbildungsprogramme auszubauen, um zunächst den LeiterInnen und später auch den bereits berufstätigen Fachkräften der Kindertagesstätten eine qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen.
Der Landtag fordert die Landesregierung auf, bestehende Initiativen zum Aufbau von Bachelorstudiengängen für Elementarpädagogik zu unterstützen und die Studienplatzkapazitäten für Elementarpädagogik auszubauen.

Begründung
Im Bericht der OECD "Die Politik der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung in der Bundesrepublik Deutschland", der am 30.11.2004 veröffentlicht wurde, wird festgestellt: "Gemessen am europäischen Standard findet die Ausbildung der deutschen Beschäftigten in der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung auf niedrigem Niveau statt." In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Qualität des Lernens und des interaktiven Umfeldes, das den Kindern in den Kindertagesstätten geboten wird, eng zusammenhängt mit dem Niveau der Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher. Im OECD-Bericht wird darauf hingewiesen, dass auch nach der Vorlage eines neuen Rahmenplans der Kultusministerkonferenz für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern keine wesentlichen Veränderungen zu verzeichnen sind.
Es ist deshalb notwenig, ein Konzept zu entwickeln, mit dem schrittweise das Ausbildungsniveau der Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten angehoben wird. Mittelfristig ist anzustreben, dass die Erzieherinnen und Erzieher über eine Ausbildung auf Hochschulniveau verfügen. Eine Anhebung des Ausbildungsniveaus ist auch notwendig, wenn der Erzieherberuf für Männer attraktiver werden soll.
Die Ausbildung soll die Erzieherinnen und Erzieher künftig dazu befähigen, Entwicklungsprobleme der Kinder zu diagnostizieren und die Kinder gezielt zu fördern, die Eltern qualifiziert pädagogisch zu beraten, ihre eigene Arbeit auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu reflektieren und die Qualitätsentwicklung ihrer Einrichtung mitzutragen.
Auch für bereits im Berufsleben stehende Erzieherinnen und Erzieher sind Angebote für ein Weiterbildungsstudium Frühkindliche Bildung auszubauen, das den Erzieherinnen und Erziehern anknüpfend an ihre beruflichen Erfahrungen den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand und moderne didaktische Konzepte vermittelt.
An der Evangelischen Fachhochschule Hannover und an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven werden bereits Studiengänge aufgebaut, die mit einem Bachelor of Arts für Frühpädagogik abschließen. Diese Initiativen sind von der Landesregierung zu unterstützen.
Langfristig wird eine Anhebung des Ausbildungsniveaus zu höheren Personalkosten führen. Dies ist jedoch unvermeidlich, wenn eine höhere Qualität der Arbeit der Kindertagesstätten gewünscht wird. Im internationalen Vergleich werden derzeit in Deutschland nur geringe Mittel für die frühkindliche Erziehung bereit gestellt. Um die finanzielle Ausstattung der Kindertagesstätten zu verbessern, können und müssen die Spielräume genutzt werden, die durch die zurückgehenden Kinderzahlen entstehen.

Fraktionsvorsitzender

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