Antrag: Nutzung der oberflächennahen Erdwärme voran bringen ? innovative Technologien zum Klimaschutz stärken die heimische Wirtschaft
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Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Hannover, den 09.12.2004
Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Der Landtag stellt fest,
- die Nutzung der oberflächennahen Erdwärme zu Heizungs- und Kühlungszwecken, verringert die Emissionen klimaschädigender Gase, schont die natürlichen Ressourcen und macht Niedersachsen unabhängiger von Importen fossiler Brennstoffe,
- es ist zu erwarten, dass die Installation von Wärmepumpen in vielen Regionen Niedersachsens wirtschaftlich ist. Damit wird die heimische, mittelständische Wirtschaft gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen,
- Möglichkeiten zur Nutzung der oberflächennahen Geothermie sind bisher zu wenig bekannt. Zudem sind die geologischen Grundlagendaten in Niedersachsen bisher nicht in einer Weise aufbereitet, die es privaten Investoren ermöglicht, das geothermische Potenzial ihres Gebäudeumfeldes und damit die Wirtschaftlichkeit des Einbaus einer Wärmepumpe problemlos zu ermitteln.
Der Landtag fordert die Landesregierung auf:
1.) Die beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung bereits vorhandenen geologischen und hydrologischen Grundlagendaten aufzubereiten und ggf. zu vervollständigen, um das oberflächennahe geothermische Potenzial bis zu 150 Metern unterhalb der Geländeoberkante flächendeckend und so detailliert wie möglich für das Land Niedersachsen darstellen zu können.
2.) Die generellen und standörtlichen Grundlageninformationen zur Nutzung der oberflächennahen Erdwärme für Bürger und Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen.
3.) Durch geeignete Maßnahmen, z.B. durch breitenwirksame Publikationen für Energieberater, Kommunen und Architekten oder durch Informationen auf Messen, die Möglichkeiten der Nutzung oberflächennaher Geothermie zu Heizungs- und Kühlungszwecken bekannter zu machen.
4.) Die Geothermie-Technik durch Koordination des bei Betreibern, Anlagenbauern, Ingenieurbüros, öffentlichen Einrichtungen etc. vorhandenen Innovationspotenziales voranzubringen.
Begründung:
Durch den Einsatz von Wärmepumpen-Heizungen zur Nutzung der oberflächennahen Geothermie aus Tiefen von bis zu 150 Metern können die CO2-Emissionen um bis zu 60% gegenüber konventionellen, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizungsanlagen gesenkt werden.
Trotz relativ niedriger Temperaturen in oberflächennahen Schichten von konstant ca. 9 – 12 Grad Celsius ist die Installation von Wärmepumpen zu Heizungs- und/ oder zu Kühlungszwecken unter den derzeitigen Rahmenbedingungen vielfach ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich. Die effizienteste Technik zur Nutzung der oberflächennahen Erdwärme ist die Installation von Erdwärmesonden in Tiefen bis zu 150 Metern.
Die Wirtschaftlichkeit dieser Form geothermischer Nutzung hängt sehr wesentlich von den geologischen und hydrologischen Gegebenheiten des jeweiligen Standortes (z.B. Strömungsgeschwindigkeit der Aquifere und Wärmeleitfähigkeit des anstehenden Gesteins) ab. Diese Grundlagendaten, ohne die Investitionen in die Installation einer Erdwärmesonde kaum kalkulierbar sind, sind beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung (NLfB) zwar im Wesentlichen vorhanden, müssen jedoch entsprechend aufbereitet werden.
Um interessierten Bauherren Informationen über die Eignung ihres Grundstückes für die Nutzung der oberflächennahen Geothermie zur Verfügung zu stellen, hat der Geologische Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen die standörtlichen geothermischen Ergiebigkeiten für verschiedene Tiefenbereiche detailliert auf einer CD-ROM dargestellt. Von dieser CD-ROM wurden bisher über 1.100 Exemplare verkauft. Zusätzlich wird der Geologische Dienst NRW für Fachberatung im Einzelfall in Anspruch genommen. Damit wird ein erheblicher Beitrag zur Förderung dieser umweltfreundlichen Technologie geleistet.
Wie intensiv sich der Untergrund geothermisch nutzen lässt, zeigt die Schweiz: Dort wird bereits jeder vierte Neubau mit Erdwärme versorgt. Dass die Nutzung der oberflächennahen Erdwärme in Deutschland bisher nicht annähernd diese Verbreitung gefunden hat, ist nach Angaben der Geothermischen Vereinigung e.V. vor allem mit vielfach fehlender Aufbereitung von Grundlagendaten und mangelnder Information der Öffentlichkeit begründet.
Innovationspotenziale im Bereich geothermischer Nutzung sind effektiver durch Koordination der beteiligten Akteure zu erschließen, da verschiedene, zum Teil interdisziplinäre Forschungsaufwendungen von Klein- und mittelständischen Unternehmen einzeln kaum zu leisten sind.
Diese Hemmnisse zu beheben, ist in mehrerlei Hinsicht lohnend: Die Einsparung fossiler Brennstoffe macht die Volkswirtschaft unabhängiger von Importen und führt zur Entlastung der Umwelt von klimaschädigenden Gasen. Der Einsatz innovativer Wärmepumpen-Technologie fördert die mittelständische Wirtschaft und schafft damit Arbeitsplätze.
Fraktionsvorsitzender