Antrag: MINT-Fächer an den Niedersächsischen Hochschulen stärken – Nachwuchs gewinnen und halten – Exzellenz unterstützen
Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Der Landtag stellt fest:
Gut ausgebildete Fachkräfte in den sog. MINT-Fächern der Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften und Technik sind die Basis für eine gute wirtschaftliche Entwicklung in Niedersachsen. Hierbei kommt den niedersächsischen Hochschulen im Rahmen der Entwicklung hin zu einer Wissensgesellschaft eine besondere Aufgabe zu. Hierfür sind bereits wesentliche Maßnahmen eingeleitet worden, z. B durch die Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte, die Förderung von Chancengleichheit, Geschlechter- und Bildungsgerechtigkeit, die Abschaffung der Studiengebühren, sowie Maßnahmen zur Senkung der Studienabbruchquoten insbesondere in den MINT-Studiengängen. Mit der Weiterführung des „Hochschulpakts 2020“ und dem Fachhochschulentwicklungsprogramm können die Studienplatzkapazitäten in Niedersachsen weiter ausgebaut und langfristig gesichert werden. Damit alle Bildungspotenziale ausgeschöpft werden können, soll die soziale Öffnung der Hochschulen zur Erhöhung von Bildungsteilhabe und Chancengleichheit durch geeignete Maßnahmen weiter vorangebracht werden.
Bei Anstrengungen zur Erhöhung des MINT-Nachwuchses soll der Focus auch auf den Themenbereich „Frauen und MINT“ gelegt werden. Ausweislich des aktuellen OECD-Berichts zur Chancengleichheit der Geschlechter aus März 2015 gehört Deutschland zu den Ländern mit dem größten Geschlechtergefälle in der OECD. Hierzulande können sich nur eines von 20 Mädchen, jedoch vier von 20 Jungen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem sogenannten MINT-Fach zu arbeiten.
Der Landtag begrüßt, dass
- die Landesregierung und die niedersächsischen Hochschulen über den Hochschulentwicklungsvertrag einen langfristig verlässlichen Rahmen auch zur Stärkung der MINT-Fächer an den Hochschulen geschaffen und sich auf Leitlinien der Hochschulentwicklung in Niedersachsen verständigt haben,
- die Landesregierung auf Grundlage der Evaluation der Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH) durch die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen eine Entscheidung gegen von oben aufgesetzte Strukturen getroffen hat und den Schwerpunkt nun auf die Stärkung von aus der Wissenschaft heraus entwickelten Kooperationen in Forschung und Lehre legt,
- die Landesregierung mit der Masterplanung für die Wissenschaftsregion Braunschweig-Hannover einen Neustart zur Intensivierung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit der Leibniz Universität Hannover und der TU Braunschweig auf den Weg gebracht hat und dafür einen renommierten externen Moderator gewinnen konnte,
- die Landesregierung die Technische Universität Clausthal bei der Entwicklung eines Masterplans, welcher ausdrücklich Kooperationen mit einschließt, umfassend unterstützt und begleitet,
- die Landesregierung die Studiengebühren abgeschafft hat und die Studierendenzahlen in Niedersachsen seitdem wieder ansteigen. Durch die Abschaffung der Studiengebühren wurde eine wichtige Hürde zur Aufnahme eines Studiums beseitigt und zur sozialen Öffnung der Hochschulen beigetragen,
- das Kultusministerium und das Ministerium für Wissenschaft und Kultur sich kontinuierlich für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) engagieren – unter anderem durch Projekte wie die Tagung „MINTdenken – Strategien für erfolgreiche MINT-Studienabschlüsse in Niedersachsen“ im Jahr 2014,
- mit dem Fachhochschulentwicklungsprogramm insbesondere auch Studienplätze im Bereich MINT dauerhaft abgesichert werden,
- die Landesregierung den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Ideen-Expo absichert, um bei Schülerinnen und Schülern das Interesse an technisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu wecken und zu vertiefen,
- es mit dem Niedersachsen-Technikum bereits ein sehr erfolgreiches Programm zur Mobilisierung des Potentials junger Frauen im MINT-Bereich gibt,
- die Landesregierung bereits im Juli 2014 gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden, den Gewerkschaften, den Kammern, der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, den kommunalen Spitzenverbänden und weiteren gesellschaftlichen Gruppen eine Fachkräfteinitiative mit Handlungsrahmen und Zielsetzungen gestartet hat.
Der Landtag fordert die Landesregierung auf,
- die Technische Universität Braunschweig, die Leibniz Universität Hannover und die Technische Universität Clausthal bei der Masterplanung zur zukünftigen wissenschaftlichen Kooperation weiter zu unterstützen,
- die niedersächsischen Hochschulen bei der Vorbereitung auf die noch auszugestaltende Bund-Länder-Initiative in der Nachfolge der Exzellenzinitiative zu unterstützen und dazu mit den Hochschulen in engen Austausch zu treten,
- hochschulübergreifende Forschungsverbünde in Niedersachsen zu stärken und zu unterstützen, da ein Austausch bzw. eine engmaschige Vernetzung zwischen den einzelnen technischen Hochschulen die Grundlage für gute Forschung und Lehre ist,
- das Studienangebot in den MINT-Fächern an den niedersächsischen Hochschulen weiterhin bedarfsgerecht auszugestalten,
- die Hochschulen bei ihren Anstrengungen zur Gewinnung von Studierenden im MINT-Bereich weiterhin zu unterstützen. Ziel muss auch sein, die Kooperationen mit Schulen in Niedersachsen noch stärker auszubauen,
- die Schulen bei Ihren Anstrengungen zu unterstützen, bei ihren Schülerinnen und Schülern verstärkt das Interesse für MINT-Studiengänge zu wecken, wobei der Focus bspw. in der fachdidaktischen Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer in den MINT-Fächern auch auf den neuesten Ergebnissen der Geschlechter-Lehr-Lern-Forschung und auf einem verstärkten Praxisbezug des Unterrichts liegen sollte,
- die niedersächsischen Hochschulen aufzufordern, stärker als bisher eine fachspezifische Hochschuldidaktik der MINT-Fächer unter Berücksichtigung von Ansätzen des forschenden Lernens sowie der problem- und projektorientierten Didaktik zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln,
- darauf hinzuwirken, dass die Hochschulen hochschuldidaktischen Weiterbildungs- und Beratungsangebote für Lehrende der MINT-Fächer, unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte Gender und Diversity, anbieten,
- die Hochschulen in ihren Bemühungen zu unterstützen, die Abbrecherquoten im MINT-Bereich durch geeignete Maßnahmen wie z.B. vorgeschaltete Self-Assesments für Studieninteressenten und geeignete Mentoring-Programme für Studienanfänger zu senken,
- aussagekräftiges Datenmaterial über den Studienverlauf an den jeweiligen Hochschulen in den MINT-Fächern zu erheben. Dabei sollen die Hochschulen, so wie in den Leitlinien des Landes formuliert, auch die individuellen Gründe für den Studienabbruch ermitteln,
- die Hochschulen in ihren Bemühungen zu bekräftigen, das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an Naturwissenschaften und Technik zu stärken und sie für eine Erwerbstätigkeit in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Berufen zu gewinnen. Ziel muss es sein, ihnen konkrete Praxiserfahrungen und Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder bereits während des Studiums zu ermöglichen.
Begründung
Die Sicherung der Fachkräftebasis ist ein wesentlicher Faktor, um die Innovations-, Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Wirtschaft zu erhalten und den Wohlstand zu sichern. Die Industrie ist eine tragende Säule der Niedersächsischen Wirtschaft. Laut aktuellen Zahlen des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr liegt der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung mit rund 22 Prozent auf sehr hohem Niveau - höher als in allen anderen europäischen Ländern und den USA. Mehr als eine halbe Million Menschen haben ihren Arbeitsplatz in einem der niedersächsischen Industrieunternehmen. Diese erwirtschaften rund 190 Mrd. Euro Umsatz, davon 45 Prozent im Ausland.
Fachkräftesicherung im MINT-Bereich bedeutet aber auch, Niedersachsen als attraktiven Forschungsstandort zu sichern. Wissenschaft und Forschung in den MINT-Fächern sind entscheidend, um bspw. neue Technologien für eine effiziente Nutzung und Speicherung von erneuerbaren Energien, mehr Effizienz und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu erreichen. Auch dafür brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte, die in den Bereichen der MINT-Forschung ihren Beitrag für die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft leisten. Forschung, Entwicklung und Innovationen in diesen Bereichen werden künftig eine immer stärkere Rolle spielen.
Da die Begeisterung für den Themenbereich MINT bei Schülern wie auch Schülerinnen bestenfalls bereits in der Schulzeit geweckt werden sollte, sind Kooperationen der Hochschulen mit Schulen zur Gewinnung des MINT-Fachkräfte-Nachwuchses zu unterstützen. Dabei können die GaußAG der Leibniz Universität Hannover, sowie das Agnes-Pockels-Schülerinnen-Labor und das pi-nut-Programm der TU Braunschweig als Best-Practice-Beispiele dienen. Auch bei den Weiterbildungs- und Beratungsangeboten an den Hochschulen gibt es in punkto fachbezogene hochschuldidaktische Seminare, Workshops und Beratungs- und Coaching-Angebote für Lehrende bereits Best-Practice-Beispiele wie das Teach4TU-Programm zur hochschuldidaktischen Qualifizierung der TU Braunschweig.