Antrag: Kulturelle Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen sichern: Zugangshürden zu Museen abschaffen

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Der Landtag stellt fest:

  • dass der Zugang zu kultureller Bildung stark vom allgemeinen Bildungsniveau abhängig ist. Ausweislich der Studie "Jugendkulturbarometer" aus dem Jahr 2006  ist Teilhabegerechtigkeit nicht gewährleistet und es bestehen, insbesondere für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten, Zugangsbarrieren zu kultureller Bildung. Laut Studie schnitt Niedersachsen im Ländervergleich bei dem Bemühen junge Leute an Kultur heranzuführen eher schlecht ab,
  • dass die Enquete-Kommission des Bundestages "Kultur in Deutschland" den Museumsträgern in ihrem Schlussbericht empfiehlt, den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren oder einen eintrittsfreien Wochentag zu erwägen, um Schwellenängste zu reduzieren und die Position der Museen als Bildungseinrichtungen zu stärken. Ausweislich des Schlussberichtes sind nach Ansicht der Enquete-Kommission vor allem speziell entwickelte Vermittlungsangebote notwendig, um Gruppen aus eher museumsfernen gesellschaftlichen Schichten aktiv anzusprechen. Dabei sollten die Museen nicht nur die Kinder und Jugendlichen im Blick haben, sondern auch deren Ansprechpartner mit einbeziehen,
  • dass es in einzelnen niedersächsischen Museen bereits erfolgreiche Angebotskonzepte für Kinder und Jugendliche gibt, diese aber nicht flächendeckend vorzufinden, bzw. ausbaubar sind.

Der Landtag fordert daher die Landesregierung auf:

  1. die niedersächsischen Museen beim Ausbau ihrer museumspädagogischen Konzepte unter Einschluss eines eintrittsfreien Programms für Kinder, Jugendliche und deren Familien zu unterstützen. Der hiermit verbundene Einnahmenausfall der Eintrittsgelder soll über eine zusätzliche Finanzzuweisung an die sechs niedersächsischen Landesmuseen sowie die durch das Land geförderten nichtstaatlichen Museen refinanziert werden,
  2. ein Kennzahlensystem zur Besucherdatenerfassung einzurichten, sowie zukünftig ein geeignetes Anreizsystem zu schaffen, um die Besucherzahlen der Zielgruppe weiter zu erhöhen,
  3. dafür Sorge zu tragen, dass die Eintrittsbefreiung, deren spezielle Ausgestaltung den jeweiligen Museen obliegt, mit zielgruppengerechten Angeboten flankiert wird. Zweckgebunden an die Verbesserung der Attraktivität eines Museumsbesuches für Familien, Kinder und Jugendliche kann die Finanzzuweisung von den Museen daher in eigener Verantwortung und unter Berücksichtigung eigener Konzepte und Veranstaltungsformen eingesetzt werden, beispielsweise:
  • zur Finanzierung von Veranstaltungen, Aktionen und regelmäßigen Programmen die unter museumspädagogischen Aspekten die Attraktivität eines Museumsbesuches für Kinder, Jugendliche und Familien erhöhen,
  • zur Finanzierung der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings für Aktionen, Veranstaltungen und Programme, die gezielt Kinder, Jugendliche und Familien ansprechen,
  • zur Finanzierung konzertierter Aktionen mehrerer regional ansässiger Museen, wie bspw. der Herausgabe eines "Freikartenheftes" für alle Schülerinnen und Schüler oder der Verabredung eines gemeinsamen regionalen "Museumstages".
  1. Kooperationen verschiedener, regional ansässiger Museen bei der Erarbeitung konzertierter Aktionen zu unterstützen und die Museen, nichtstaatliche und kommunale miteinbezogen, zu einer Zusammenarbeit zu ermutigen. Da Museen ideale außerschulische Lernorte sind, ist die Zusammenarbeit zwischen Museen und Schulen zu unterstützen. Die Aufnahme von Museumsbesuchen in die Schulprogramme ist zu überdenken.

Begründung

Freier Eintritt alleine reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche, insbesondere aus eher bildungsfernen Schichten, für den Museumsbesuch zu gewinnen. Nicht nur der zu bezahlende "Eintritt" in Museen muss als Hürde wegfallen, sondern auch der tatsächliche Museumseintritt muss niedrigschwelliger gestaltet werden. Vor diesem Hintergrund scheint es sinnvoll, Eintrittsbefreiungen mit zielgruppenspezifischen Angeboten zu koppeln. Dafür müssen neben der gleichzeitigen Ansprache der Eltern auch weitere Anreize geschaffen und vor allem das jugendliche Interesse geweckt werden. Die Attraktivität der Angebote für Kinder und Jugendliche in den Museen muss daher durch Einbindung museumspädagogischer Konzepte, durch den Einsatz neuer Medien und durch gezielte Ansprache erhöht werden. Insbesondere müssen auch Aktionen, Veranstaltungen und regelmäßige Programme, die gezielt für Kinder, Jugendliche und Familien entwickelt werden, stärker publikumswirksam beworben werden. Ausdrücklich sollen die Landesmittel daher auch zur Werbung für altersspezifische Angebote verwandt werden dürfen.

Um Kinder, aber vor allem auch Jugendliche, für einen Museumsbesuch zu begeistern, müssen diese gezielt angesprochen werden. Durch eintrittsfreie Aktionen wie einen Blick hinter die Kulissen, Kinderrallyes, Expeditionen oder auch Taschenlampenführungen, Lernwerkstätten, Sonderführungen, Colleges oder Workshops, können die Museen ihren Bildungsauftrag wahrnehmen und junge Menschen früh für Museen begeistern. Da diese auch später die Museen besuchen und evtl. eines Tages ihre Kinder mitbringen, ist das Werben um junge Besucher auch eine Investition in die Museumszukunft. Somit können museale Begleitprogramme, die zielgruppenspezifisch beworben werden, sinnvoller sein, als Gratisbesuche alleine.

Da die allgemeinbildenden Schulen die einzigen Einrichtungen sind, die allen Kindern und Jugendlichen, unabhängig von sozialer Herkunft, den Zugang zu kultureller Bildung eröffnen können, eignen Sie sich besonders als Orte, um für den Museumsbesuch zu werben. Für die Verwendung der Finanzzuweisung wäre daher in Zusammenarbeit mit den Schulen auch eine konzertierte Aktion einiger, regional ansässiger Museen denkbar, die gemeinsam an einem "Museumstag" in der Woche keinen Eintritt erheben und diesen "Museumstag" gemeinsam an den Schulen, in Jugendzentren und an anderen Orten bewerben. Ebenfalls wäre ein gemeinsames "Freikartenheft" mit allen relevanten Informationen über Kinderprogramme, Aktionen für Jugendliche, Öffnungszeiten, Adressen, etc., einiger, regional ansässiger Museen vorstellbar, welches an jeden Schüler und jede Schülerin verteilt wird. Dabei ist anzunehmen, dass die Tatsache, bereits eine Freikarte in der Hand zu halten und sich keine weiteren Informationen beschaffen zu müssen, stärker zum Museumsbesuch animiert, als lediglich ein freier Eintritt.

Fraktionsvorsitzender

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