Antrag: Gesunde Zähne von Anfang an – Zahnärztliche Vorsorge für alle Kinder in Kitas stärken

Fraktion der SPD
Fraktion der CDU
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Gesunde Zähne von Anfang an – Zahnärztliche Vorsorge für alle Kinder in Kitas stärken

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Die Zahngesundheit spielt eine entscheidende Rolle für die allgemeine Gesundheit und Entwicklung von Kindern. Bereits im frühen Kindesalter werden die Grundlagen für gesunde Zähne gelegt. Dennoch zeigt die aktuelle Datenlage, dass Karies nach wie vor die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern im Vorschulalter ist. Insbesondere die sogenannte frühkindliche Karies (ECC – Early Childhood Caries) betrifft 10–15 % der unter Dreijährigen, in einigen gesellschaftlichen Gruppen sogar bis zu 40 %. Am Ende der Kindergartenzeit haben in Niedersachsen laut einer Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege 11 von 25 Kindern bereits massiv Karies: mehr als 4 Zähne sind betroffen. Demnach tragen 20% der Kinder rund 80% der Karieslast.

Daten aus dem Barmer-Zahnreport 2023 verdeutlichen, dass in Niedersachsen zwei Drittel der Kleinkinder keine zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen. Dieser Mangel an Prophylaxe führt häufig zu späteren, vermeidbaren Eingriffen und erhöht das Risiko langfristiger Zahnschäden. Die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) belegt zudem, dass Kinder mit regelmäßiger Vorsorge signifikant seltener unter Karies oder kieferorthopädischen Problemen leiden.

Gruppenprophylaxe in Kindertagesstätten hat sich als besonders wirksame Maßnahme erwiesen, da sie Kinder frühzeitig erreicht und gezielte Prävention ermöglicht. Sie trägt auch dazu bei, die Zahngesundheit aller Kinder zu fördern, indem allen Kindern unabhängig vom familiären Hintergrund eine gute Basis der Zahnpflege vermittelt wird. Bereits jetzt gehen engagierte Zahnärztinnen und Zahnärzte in Kindertagesstätten und bringen Kindern spielerisch und mit viel Feingefühl die Bedeutung / Notwendigkeit einer guten Mundhygiene näher. Dabei geht es auch um die Untersuchung und die Feststellung des aktuellen Gesundheitszustands der Zähne, woraus sich Empfehlungen zur weiteren Behandlung, beispielsweise bei kariösen Zähnen, in Zahnarztpraxen erfolgen.

Die bestehenden Strukturen für die Gruppenprophylaxe in Kindertagesstätten in Niedersachsen sind bereits gut ausgebaut. Die zahnärztlichen Dienste der Kommunen führen diese Maßnahmen regelmäßig durch. Dass wir in Niedersachsen bereits so gut aufgestellt sind begrüßen wir sehr und möchten mit diesem Antrag die wichtige Arbeit der zahnärztlichen Dienste wertschätzen. Sie leisten bereits jetzt einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Mundgesundheit der Kinder in den Kindertagesstätten. Gleichzeitig stoßen sie dabei auf administrative Hürden, die eine flächendeckende Untersuchung aller Kinder erschweren. So sind Kindertagesstätten derzeit verpflichtet, vor der Durchführung der Gruppenprophylaxe die schriftliche Einwilligung der Erziehungsberechtigten einzuholen. Dies stellt nicht nur die Leitung der Einrichtungen vor organisatorische Herausforderungen, da die Einwilligungen gesammelt und verwaltet werden müssen, sondern schränkt auch die Arbeit der zahnärztlichen Dienste ein. Ohne vorliegende Einwilligung ist es ihnen nicht gestattet, die Zähne der Kinder zu untersuchen. Auffällig ist dabei, dass Kinder aus Familien, die keine Einwilligungserklärung vorlegen, häufig in der Gruppe mit einem erhöhten Risiko für Karies zu finden sind. Dieses administrative Hindernis verhindert somit gezielte Präventionsmaßnahmen genau dort, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Aus diesem Grunde fordert der Landtag die Landesregierung auf:

  1. zeitnah eine verpflichtende Teilnahme an den zahnärztlichen Untersuchungen nach § 21 SGB V im Niedersächsischen Gesetz über Kindertagesstätten und Kindertagespflege (NKitaG) zu verankern.
  2. Die Einführung eines Widerspruchsverfahrens zu prüfen und bei Notwendigkeit für Erziehungsberechtigte zu implementieren, die der Gruppenprophylaxe nicht zustimmen möchten.

Begründung

Gesunde Zähne sind essenziell für eine hohe Lebensqualität bis ins hohe Alter. Sie tragen maßgeblich zur Ernährung, zur Sprachentwicklung, zum allgemeinen Wohlbefinden und zur sozialen Integration bei. Kariöse Zähne hingegen führen nicht nur zu Schmerzen und gesundheitlichen Einschränkungen, sondern können auch zu Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung beitragen. Damit steht die Zahngesundheit in direktem Zusammenhang mit dem Kindeswohl.

Die kostenfreie Durchführung zahnärztlicher Untersuchungen in Kindertagesstätten senkt Hemmschwellen und Berührungsängste bei Kindern und Erziehungsberechtigten gleichermaßen. Diese Maßnahme fördert nicht nur die Zahngesundheit der Kinder, sondern dient auch als wirkungsvolle Präventionsstrategie gegen spätere Zahn- und Folgeerkrankungen. Gleichzeitig wird die bürokratische Belastung der Kindertagesstätten bei der Organisation der Gruppenprophylaxe reduziert.

Darüber hinaus ermöglicht die systematische Erfassung des Zahngesundheitszustands aller Kinder die Erstellung repräsentativer Daten. So können negative Entwicklungen frühzeitig erkannt und gezielt Maßnahmen ergriffen werden, um die Zahngesundheit aller Kinder und Erwachsenen nachhaltig zu sichern.

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