Antrag: Die Zukunft der Schafhaltung in Niedersachsen sichern und neue Perspektiven eröffnen!

Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Derzeit gibt es in Niedersachsen etwa 224.000 Schafe bei ca. 10.000 Schafhalter, betrachtet man jedoch nur die Schafhalter, die mehr als 20 Schafe halten, sinkt gerade die Zahl der Halter stark, somit sind es nur noch 154.000 Schafe  bei ca. 1.000 Schäfern. Die Schafhaltung in Niedersachsen hat neben dem Erhalt der Kulturlandschaft auch eine wichtige ökologische Funktion. Insbesondere der Schutz und Erhalt der Deichanlagen entlang unserer Küste und Flüsse wird durch die Beweidung mit Schafen wesentlich unterstützt. Zugleich leisten die Schäferinnen und Schäfer mit ihren Schafen einen wichtigen Beitrag zur Offenhaltung der Landschaft, weil sie Flächen in der Nutzung halten. Damit kommt der Schafhaltung auch in Zukunft eine wichtige Rolle beim Erhalt unserer Kulturlandschaft und Schutzgebiete zu. Darüber hinaus erhalten Schafe (besonders die Lämmer) auf der Weide die Attraktivität der ländlichen Räume, was insbesondere dem Tourismus in den Naherholungsgebieten zugutekommt. Vor diesem Hintergrund verdient die Schafhaltung eine erhöhte Aufmerksamkeit und Berücksichtigung innerhalb der agrarpolitischen Förderung.

Der Landtag begrüßt:

  • dass die Agrarförderung zugunsten der schaf- und ziegenhaltenden Betriebe durch die Änderung der Direktzahlungen-Durchführungsverordnung erleichtert wurde
  • dass in der NBauO sowohl ortsfeste als auch mobile Unterstände zum Schutz von Tieren bis zu einer maximalen Größe von 100 m² und einer Höhe von 5 m, wenn sie keine Feuerstätte haben, für land- und forstwirtschaftliche Betriebe genehmigungsfrei sind

Der Landtag fordert die Landesregierung auf:

  1. sich weiterhin auch auf Bundes- und EU-Ebene aktiv in der Diskussion dafür einzusetzen, dass Flächen, die durch eine extensive Beweidung genutzt werden, grundsätzlich als landwirtschaftlich genutzte Flächen gelten und somit prämienberechtigt sind,
  2. zu prüfen, wie die Pflege der Deiche durch die Deichachten und Deichverbände mit Schafen unterstützt werden kann, da dies ökologische und für den Hochwasserschutz sicherheitsrelevante Vorteile hat
  3. zu prüfen, welche Verbesserung regionaler Vermarktungsstrukturen insbesondere mit Blick auf die Produkte Schaffleisch, -milch und Wolle benötigt wird und gegebenen Falls dafür einzutreten,
  4. zu prüfen, wie die züchterische Arbeit, gerade bei den Leistungsprüfungen, der niedersächsischen Schafhaltung sowie die Schafberatung Niedersachsen auch zukünftig angemessen unterstützt werden kann und die Schafzüchtervereinigungen dahin gehend zu unterstützen, dass der Verwaltungsaufwand so weit wie rechtlich möglich reduziert wird,
  5. die Förderkulisse Wolf an die Populationsentwicklung angepasst, stufenweise auf ganz Niedersachsen auszuweiten.
  6. die Schäfer und alle anderen Halter von Nutztieren sowie die Bevölkerung in allen Landkreisen ausreichend über die Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen und den Umgang mit diesem Wildtier zu informieren sowie das Erarbeiten von schnellen und unbürokratischen Lösungen im Umgang mit Schäden, die durch den Wolf entstanden sind

Begründung

Die Schafhaltung hat in Niedersachsen vor allem an der Küste und in der Heide eine lange Tradition. So wäre die Kulturlandschaft der Lüneburger Heide mit ihren charakteristischen Heideflächen kaum denkbar, wenn dort nicht über Hunderte von Jahren die Flächen vor allem mit Heidschnucken beweidet worden wären. Gerade an der Küste ist die Schafhaltung ein wichtiger und prägender Teil unserer Landwirtschaft und unseres Küstenschutzes.

Aufgrund struktureller Entwicklungen in der Landwirtschaft ist die niedersächsische Schafhaltung allerdings seit Längerem rückläufig und zahlreiche Schäfer haben ihre Betriebe aus wirtschaftlichen Zwängen aufgegeben.

Die Schafhaltung ist eine extensive Form der Landwirtschaft zur Nutzung von Grünlandflächen. Die Bewirtschaftung erfolgt dabei regelmäßig durch Beweidung. Dies unterscheidet die Schafhaltung mittlerweile von der Milchviehhaltung, die immer stärker von einer reinen Stallhaltung geprägt ist. Damit kommt der Schafhaltung eine besondere Bedeutung für den Erhalt von Weideflächen zu, insbesondere nur extensiv nutzbaren Weiden. Der Schafhaltung kommt für die Kulturlandschaft eine besondere Bedeutung zu; sie produziert zusätzlich Wolle und hochwertiges Fleisch, das ausschließlich auf heimischem Futter basiert.

Neben dem hohen ökologischen Wert der Schafhaltung sichert die Beweidung mit Schafen auch die Funktionsfähigkeit von Deichanlagen. Schafe treten die Grasnarbe der Deiche immer wieder fest und unterstützen dadurch ihren Erhalt. Für die Deichpflege sind Schafe besonders geeignet, weil ihr Gewicht eine optimale Verdichtung ohne Trittschäden ergibt und sie gleichzeitig das Gras in der richtigen Höhe abfressen, sodass eine dichte, gut verwurzelte Grasnarbe entsteht. Gerade mit Blick auf zunehmende Sturmfluten oder Starkregenereignisse sind funktionierende Deichanlagen entlang unserer Flüsse unverzichtbar für die Sicherheit der dort lebenden Bevölkerung. Schafbeweidung trägt ihren Teil dazu bei, diese Sicherheit zu gewährleisten. Trotz der großen Bedeutung für die Ökologie und unsere Deichanlagen sind die Zahlen der Schafhaltung rückläufig.

Wie in keinem anderen Bereich der Landwirtschaft haben wir in der Schafhaltung eine Vielzahl an Rassen. Sie bildeten sich über Jahrzehnte durch die züchterische Arbeit der Schafhalter heraus. Auch heute halten Schäfer an der dem Lebensraum angepassten Rassevielfalt fest und sichern dadurch die tierische Artenvielfalt, die in der intensiven Landwirtschaft zunehmend verarmt.

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