Antrag: Hauswirtschaft und Alltagskompetenzen in Niedersachsen weiter stärken

Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90 Die Grünen

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Hauswirtschaft ist ein elementarer Bestandteil unseres täglichen Lebens und bildet das unsichtbare Fundament, auf dem viele Aspekte unserer Existenz aufbauen. Alltagskompetenzen – von Ernährung und Hygiene über nachhaltigen Konsum bis hin zu Haushaltsmanagement – sind Schlüsselqualifikationen für ein selbstbestimmtes Leben, soziale Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Schule und Ganztag tragen daher die gemeinsame Verantwortung, junge Menschen nicht nur fachlich, sondern auch praktisch auf die Herausforderungen des täglichen Lebens vorzubereiten. Hauswirtschaft wird in jeder Alters- und Lebenssituation – ob im privaten oder gesellschaftlichen Kontext – gebraucht. Sie vereint nicht nur Nachhaltigkeit, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein, sondern trägt auch maßgeblich zu unserer Lebensqualität und sozialen Daseinsvorsorge bei. Dennoch erfährt diese so bedeutende Tätigkeit oft nicht die Anerkennung, die ihr eigentlich gebührt. Hauswirtschaft umfasst nicht nur die alltägliche Versorgung und Unterstützung von Menschen durch Reinigung, Wäschepflege und Kochen, sondern auch Hygienesicherung und die wertvolle Betreuung von Menschen sowie das Management von (Lebens-)Räumen und Ressourcen (ökonomisch, ökologisch, sozial).

Insbesondere im Privathaushalt gewinnt hauswirtschaftliche Kompetenz zunehmend an Bedeutung, da sich durch den demografischen Wandel und veränderte Familien- und Haushaltsstrukturen neue Herausforderungen ergeben. Die Pandemie hat eindrucksvoll gezeigt, dass Hauswirtschaft weit mehr ist als nur die Gestaltung des häuslichen Alltags. Sie ist unerlässlich im Bereich der Pflege, der gesundheitlichen Versorgung und der Betreuung älterer sowie hilfsbedürftiger Menschen. In dieser Krisenzeit wurde klar, dass eine professionelle Hauswirtschaft nicht nur für den Komfort der bzw. des Einzelnen sorgt, sondern auch die Grundlage für eine funktionierende Versorgung und Betreuungsqualität bildet.

Hauswirtschaftliches Management ist das Rückgrat einer sicheren, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Lebensweise. Hierzu gehören nicht nur das Qualitäts- und Umweltmanagement in der Gemeinschaftsverpflegung – etwa in Kitas, Schulen oder Seniorenheimen – sondern auch die hygienischen Anforderungen, die eine unverzichtbare Rolle spielen, besonders in Zeiten gesundheitlicher Krisen. Sie sorgt für eine gesunde Ernährung, unterstützt bei der Raumgestaltung und der Aufrechterhaltung hygienischer Standards und trägt damit wesentlich zum Wohlbefinden der Menschen bei.

Doch auch die fortschreitende Digitalisierung verändert die Hauswirtschaft grundlegend. Intelligente Haushaltsgeräte, die über Smartphones und Tablets steuerbar sind, und digitale Bestellungen von Lebensmitteln machen die Arbeit nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger. Automatisierte Prozesse garantieren eine präzise Kontrolle der Kühlketten und minimieren so Lebensmittelverschwendung. Dennoch birgt dieser technologische Wandel auch Herausforderungen: Die Notwendigkeit, sich stetig mit neuen Systemen und Geräten auseinanderzusetzen, erfordert von den Fachkräften in der Hauswirtschaft eine hohe Anpassungsfähigkeit und technologische Kompetenz.

Trotz all dieser Entwicklungen und der Bedeutung der Hauswirtschaft bleibt die gesellschaftliche Anerkennung dieser Arbeit oft hinter ihrer tatsächlichen Wichtigkeit zurück. Es ist an der Zeit, der Hauswirtschaft die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient – nicht nur als alltägliche Notwendigkeit, sondern als ein professionelles Tätigkeitsfeld, das für das Funktionieren unserer Gesellschaft von immenser Bedeutung ist.

Der Landtag begrüßt, dass die Landesregierung

  1. die Bedeutung der Hauswirtschaft in Bezug auf individuelle Lebensumstände sowie die gesellschaftliche Entwicklung anerkennt und Netzwerke sowie Multiplikatoren der Ernährungsbildung und Hauswirtschaft unterstützt,
  2. Pilotprojekte für die Gemeinschaftsverpflegung initiiert,

Weiter bittet der Landtag die Landesregierung

  1. zu prüfen, wie Hauswirtschaft zur Vermittlung von Alltagskompetenzen an Grund- und weiterführenden sowie an berufsbildenden Schulen gestärkt werden kann,
  2. hauswirtschaftliche Aus-, Fort- und Weiterbildungen in Niedersachsen weiterhin zu fördern und Betriebe bei der Vermittlung von Auszubildenden, sowie Ausbildungsverbünde, zu unterstützen,
  3. den Wert hauswirtschaftlicher Dienstleistungen in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken und dafür mit dem Ziel der Nachwuchskräftegewinnung über gezielte Öffentlichkeitsarbeit nachzudenken,
  4. Informationskampagnen zu begleiten und ggf. zu initiieren, die über Risiken von unangemeldeten Beschäftigungsverhältnissen im Bereich der Hauswirtschaft aufklären,
  5. das 2024 von der LAG Hauswirtschaft erarbeitete „Konzept zur Sicherung der Altersversorgung im ländlichen Raum“ mit Gütern des täglichen Bedarfs und hauswirtschaftlichen Dienstleistungen bestmöglich umzusetzen,
  6. zu prüfen, wie Kommunen gezielt bei der Einrichtung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für hauswirtschaftliche Dienstleistungen, beispielsweise Senioren- und Pflegestützpunkte (SPN), weiter unterstützt werden können, um eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen,
  7. sich für die adäquate Bezahlung professioneller hauswirtschaftlicher Fachkräfte analog des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) einzusetzen,
  8. zu prüfen, ob ein Programm zur Existenzgründung für Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter aufgelegt werden kann, dass sie gezielt bei der Gründung und Etablierung hauswirtschaftlicher Dienstleistungen in Privathaushalten unterstützt und so zur Stärkung des Berufsfeldes und der Altersvorsorge beiträgt,
  9. ein Portal zu initiieren bzw. die Vernetzung bestehender Plattformen voranzutreiben auf dem bzw. auf denen selbstständig tätige Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter ihre Dienstleistungen anbieten sowie Informationen zu Qualifikationen, Beratungs- und Fördermöglichkeiten und Weiterbildungsangeboten erhalten können, um die Professionalisierung und Sichtbarkeit hauswirtschaftlicher Dienstleistungen zu stärken,
  10. zu prüfen, wie eine verstärkte Kooperation zwischen den Professionen der Hauswirtschaft und Pflege aussehen kann, um die Versorgungsqualität und Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen und Privathaushalten nachhaltig zu verbessern,
  11. zu prüfen, wie hauswirtschaftliche Dienstleistungen bei Projekten der Gemeinschaftsverpflegung berücksichtigt werden können.

Begründung

Hauswirtschaftliche Kompetenz spielt eine zentrale Rolle in der Organisation des Alltags und trägt zu einem effizienten und nachhaltigen Wirtschaften bei. Sie umfasst nicht nur die praktischen Fähigkeiten im Haushalt, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Ressourcen. Dazu gehören unter anderem die Vermeidung von Plastikmüll und Lebensmittelverschwendung sowie die Zubereitung bedarfsgerechter und leckerer Mahlzeiten. Ein einkommensabhängiges Gutscheinmodell für haushaltsnahe Dienstleistungen würde insbesondere Frauen im ländlichen Raum entlasten, indem es ihnen den Zugang zu qualifizierten Dienstleistungen ermöglicht und ihre wirtschaftliche Teilhabe fördert. Ein solches System fördert nicht nur die Haushaltsdienste, sondern reduziert auch unangemeldete Beschäftigungsverhältnisse und trägt zur Integration von Arbeitskräften in den regulären Arbeitsmarkt bei. Die Stärkung der Hauswirtschaft innerhalb des Schulbetriebes macht junge Menschen frühzeitig mit wichtigen Alltagskompetenzen vertraut, schärft das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Tätigkeiten und trägt damit positiv zur persönlichen Entwicklung bei. Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, sind die Aus-, Fort- und Weiterbildungen im Bereich Hauswirtschaft zentral. Hierbei ist auch die Unterstützung von Betrieben bei der Rekrutierung von Auszubildenden von Bedeutung. Entsprechend stärkt eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Gewinnung von Fachkräften und unterstreicht den Wert der Hauswirtschaft in der Gesellschaft. Informationskampagnen zur Aufklärung über die Risiken von unangemeldeten Beschäftigungsverhältnissen sowie Konzepte zur Sicherung der Altersversorgung mit hauswirtschaftlichen Dienstleistungen sind entscheidend, um den ländlichen Raum zu stärken und eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Ein Existenzgründungsprogramm Hauswirtschaft trägt zudem zur Professionalisierung der Branche bei und sichert die Altersvorsorge, auch und grade im ländlichen Raum.

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