Anfrage: Gewinnung von unkonventionellem Erdgas, Fracing in Niedersachsen

Am 22. November 2010 hat die Landesregierung den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz des Landtags über "Gassuche in Niedersachsen durch die Firma Exxon und die im Rahmen von Testbohrungen angewandte Technik "Fracing" unterrichtet. Die Unterrichtung war von Mitgliedern des Landtags verlangt worden, nachdem durch Medienberichte bekannt geworden war, dass in der Nähe der Ortschaft Damme bei einer Testbohrung die umstrittene Fracing-Technik zur Gewinnung von Erdgas eingesetzt werden soll.

Für die Landesregierung führte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr am 22. November aus, dass in Niedersachsen 1. Fracearbeiten lediglich an einer einzigen Bohrung durchgeführt würden, 2. kein Shale Gas in Niedersachsen gefördert werde und 3. wird die Anzahl der produzierenden Shale Gas Bohrungen mit "Null" angegeben. Die Angaben sind auch der power-point-Präsentation zu entnehmen, die dem Protokoll der Ausschusssitzung angefügt sind. (Die Begriffe "Tight Gas" und "Shale Gas" werden nach unserem Verständnis in der Darstellung des MW synonym verwandt.)

Presseberichten und Veröffentlichungen der Firma ExxonMobil ist jedoch zu entnehmen, dass seit Mitte der neunziger Jahre in der Tight Gas Lagerstätte Söhlingen die Frac-Technik eingesetzt wurde. So hat die Firma bereits beim Pilotprojekt Söhlingen Z 10 in den Jahren 1993 bis 1995 und weiteren Bohrungen auch noch in den vergangenen Jahren die tiefsten Horizontalbohrung der Welt mit mehrfacher Frac-Behandlung durchgeführt und so wirtschaftliche Förderraten aus dem Dethlinger Sandstein erreicht. (Steine+Erden 05/2003)

Auch in Ostfriesland hat der Konzern GDF Suez im Erdgasfeld Leer bei den Bohrungen Z4, Z5 und Z6 die Frac-Technik eingesetzt. So meldete der Konzern unter der Überschrift "Tight Gas-Förderung Leer": "Das Projektteam war sehr erfreut, dass bereits Ende Juni 2009 die Förderung an der Leer Z6 aufgenommen wurde." Ausdrücklich weißt GDF Suez in dieser Pressemitteilung auf die Verantwortung der Landesregierung für das Projekt hin: "Das Projekt wird unter Aufsicht des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (Außenstelle Meppen) umgesetzt."

Wir fragen die Landesregierung:

  1. Bei welchen Bohrungen an unkonventionellen Erdgaslagerstätten wurde in Niedersachsen im Einzelnen zu welchem Zeitpunkt bisher die Frac-Technik – auch mehrfach an derselben Bohrung – eingesetzt?
  2. Welche Informationen liegen der Landesregierung zu Unfällen und besonderen Vorkommnissen wie Boden- und Grundwasserverseuchungen im Zusammenhang mit dem Einsatz von Frac-Flüssigkeiten vor?
  3. Welche Mengen an Frac-Flüssigkeiten in welchen Zusammensetzungen wurden beim Einsatz der Frac-Technik bei allen unkonventionellen Erdgaslagerstätten in Niedersachen im Einzelnen eingesetzt und wie wurden sie entsorgt?

Stefan Wenzel                                                                                                                                                  Elke Twesten               

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