Änderungsantrag: Lehramtausbildung in Niedersachsen zügig reformieren

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Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Hannover, den 19.10.04


Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Der Landtag stellt fest, dass das schlechte Abschneiden bei PISA auch bei der Lehreraus- und -fortbildung Konsequenzen erfordert. Der Landtag fordert die Landesregierung deshalb auf, die Lehreraus- und -fortbildung im Rahmen des laufenden Verbundvorhabens Bachelor/Master-Strukturen in der Lehramtausbildung mit folgenden Zielsetzungen zu reformieren:

1. Die Lehrerbildung orientiert sich an einem zeitgemäßen Berufsleitbild

Aufbauend auf einem modernen Leitbild für den Lehrerberuf ist ein verbindliches Kerncurricu-lum für die Lehrerausbildung in Niedersachsen zu entwickeln. Als Voraussetzung hierfür muss die Diskussion um die von der Kultusministerkonferenz vorgelegten Standards für die Lehrer-bildung zügig zum Abschluss gebracht werden, um damit die bundesweit anerkannte Grund-lage für ein solches Curriculum zu schaffen.

2. Die Lehrerausbildung wird praxisbezogener

”¢ In der Lehrerausbildung wird der Praxisbezug verstärkt. Es werden mehr Praxisphasen in den Schulen durchgeführt und in der Universität vorbereitet und ausgewertet. Die Ausbil-dung wird mit empirischer Schul- und Unterrichtsforschung verknüpft.

Ӣ Der Anteil der Berufswissenschaften soll schon im Bachelorstudium mindestens ein Drittel betragen.

”¢ Die Lehrerausbildung wird in allen Universitäten von Zentren für Lehrerbildung getragen, in denen die Ausbildung in den Fachwissenschaften, der Fachdidaktik und den Berufswissen-schaften koordiniert wird. Das Referendariat entfällt. Die Lehrerausbildung wird dadurch einphasig.

3. Die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung wird gestärkt

”¢ Die Lehrer und Lehrerinnen werden nach Abschluss ihrer Ausbildung in ihren ersten Be-rufsjahren durch ein Traineeprogramm unterstützt.

”¢ Das Land verstärkt die Ressourcen für ein an den Lehrerbildungsstandards orientiertes Lehrerfortbildungsangebot.

”¢ Die Schulen entwickeln Fortbildungskonzepte für ihre Lehrkräfte. Die Teilnahme an Fortbil-dungsveranstaltungen wird für die Lehrkräfte obligatorisch.

4. Die Aus- und Fortbildungsstrukturen sowie die Einstiegsvoraussetzungen werden so konzi-piert, dass auch so genannten Quereinsteigern der Weg in den Lehrberuf zukünftig offener steht

Begründung

Nach den sehr schlechten Ergebnissen der deutschen Schulen bei der PISA-Studie besteht Über-einstimmung darüber, dass der Unterricht verbessert werden muss. Als Voraussetzung hierfür muss dringend die Lehreraus- und –fortbildung in Deutschland modernisiert werden. Diesen Re-formbedarf hat auch die am 22. September 2004 vorgelegte OECD-Lehrerstudie bekräftigt.
Für die Ausbildung an den Universitäten müssen von der KMK vereinbarte Lehrerbildungsstan-dards verbindlich werden, die beschreiben, welche Kompetenzen in der Lehreraus- und –fortbildung vermittelt werden sollen. Zentrale Bedeutung hat auch nach den Empfehlungen der OECD die Fähigkeit, mit der Heterogenität von Lerngruppen konstruktiv umzugehen und alle Schü-lerinnen und Schüler individuell zu fördern. Eine weitere wichtige, in der bisherigen Ausbildung vernachlässigte Kompetenz ist die Fähigkeit, kooperativ an der Weiterentwicklung der Schule, an Qualitätsmanagement und Selbstevaluation mitzuwirken. Die bisherige große inhaltliche Beliebig-keit der Lehrerausbildung soll durch die Entwicklung eines modularisierten Kerncurriculums über-wunden werden.

Der Praxisbezug der Lehrerausbildung soll gestärkt werden. Dadurch soll es auch erleichtert wer-den, frühzeitig die Eignung für den Lehrerberuf zu überprüfen. Die Praxisphasen in den Schulen dürfen jedoch nicht unverbunden neben der wissenschaftlichen Ausbildung stehen, sondern es kommt darauf an, die praktischen Erfahrungen vorzubereiten und wissenschaftlich zu reflektieren. Die Lehrerausbildung wird viel stärker als bisher mit empirischer Schul- und Unterrichtsforschung verknüpft.

Die Lehrerausbildung in den Universitäten soll von Zentren für Lehrerbildung koordiniert werden, um das Nebeneinander der Ausbildung in den Fachwissenschaften, der Fachdidaktik und den Be-rufswissenschaften zu beenden.

Durch die Stärkung des Praxisbezuges in der universitären Lehrerausbildung wird das Referenda-riat als eigene Ausbildungsphase entbehrlich. Die Ausbildung kann dadurch insgesamt verkürzt werden. Stattdessen sollen die Lehrkräfte in der Berufseinstiegsphase durch Traineeprogramm unterstützt werden. Dieses Traineeprogramm soll die Ausbildungseffekte der ersten Phase si-chern, die berufspraktische Ausbildung vertiefen und die Motivation der Berufsanfänger und –anfängerinnen stärken. Über das Traineeprogramm können auch Quereinsteiger und Quereinstei-gerinnen in den Lehrerberuf qualifiziert werden, sofern sie vorher ausreichende Kompetenzen in den Berufswissenschaften an einer Universität erworben haben.

Eine Reform der Lehrerausbildung kann sich erst langfristig auf die Arbeit in den Schulen auswir-ken. Zur Verbesserung der Unterrichtsqualität kommt auch der Lehrerfortbildung eine zentrale Be-deutung zu. In der OECD-Lehrerstudie wird festgestellt, dass in Deutschland zu wenige Lehrkräfte an Fortbildungen teilnehmen. Nach einem modernen Berufsverständnis muss eine regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen selbstverständlich und obligatorisch sein. Jede Schule stellt im Rah-men ihrer Qualitätsentwicklung für ihre Lehrkräfte ein eigenes Fortbildungskonzept auf.

Voraussetzung hierfür ist, dass ein geeignetes, an den Lehrerbildungsstandards orientiertes Fort-bildungsangebot bereitgestellt wird. Es ist ein schwerwiegender Fehler der Landesregierung, im laufenden Jahr 2004 die Mittel für Lehrerfortbildung an den allgemeinbildenden Schulen zum gro-ßen Teil gesperrt zu haben. Stattdessen ist es gerade in Phasen des Umbaus des Schulsystems-notwendig, massiv in die Lehrerfortbildung zu investieren. Mittel hierfür können durch die Verkür-zung der Erstausbildung erwirtschaftet werden. Darüber hinaus können Mittel eingesetzt werden, die durch einen Subventionsabbau z.B. bei der Eigenheimzulage gewonnen werden.


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