Vorerst keine Erstimpfungen in niedersächsischen Impfzentren? Grüne: Morgens Hü und abends Hott – Erneutes Impfdebakel in Niedersachsen stellt Corona-Strategie der Landesregierung in Frage

Das Sozialministerium hat am Mittwoch (12. Mai) bestätigt, dass die Impfzentren in Niedersachsen in den kommenden Wochen voraussichtlich keine Erstimpfungen mehr anbieten können. Wer sich beim Impfportal anmeldet, kommt also vorerst auf die bereits auf 590.000 Menschen angewachsene Warteliste. Erstimpfungen bieten künftig – je nach Versorgung mit Impfstoff – die Hausärztinnen an.

Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag:

Das Aussetzen von Erstimpfungen in den Impfzentren ist ein Skandal. Am Dienstag erzählt der Ministerpräsident im Landtag großspurig Geschichten, wie sehr die Landesregierung jetzt auf schnelles Impfen setze, damit die jüngsten Lockerungsmaßnahmen in Niedersachsen auch langfristig bestehen können. Nur wenige Stunden später platzen diese Ankündigungen wie Seifenblasen. Wie kann eine Landesregierung ihre Lockerungsstrategie im Parlament mit dem kräftigen Impffortschritt argumentieren und fast zeitgleich den Impfzentren mitteilen, dass sie Lieferschwierigkeiten haben und vorerst keine Erstimpfungen vornehmen können? Weiß der Ministerpräsident nicht, was seine Sozialministerin tut? Das nährt kein Vertrauen in das Corona-Krisenmanagement und ist erneut auch ein Kommunikationsdesaster.

Es ist richtig, dass sich die Versorgung mit Impfstoffen nur begrenzt vom Land steuern lässt. Umso wichtiger ist es, Erst- und Zweitimpfungen zusammenzudenken und die Terminvergabe neuer Impfdosen mit der Warteliste zu verknüpfen. Es kann nicht angehen, dass Menschen, die eine Erstimpfung wollen und dazu auch berechtigt sind, jetzt wochenlang lediglich auf die bereits lange Warteliste geschickt werden und dann vergeblich auf Termine warten, während andere Menschen mit späterer Prioritätsgruppe geimpft werden. Hier braucht es eine Verzahnung der Warteliste mit freiwerdenden Terminen. Auch braucht es bessere Informationen, wo AstraZeneca-Impfstoffe frei sind und verimpft werden können. PR-Aktionen wie kürzlich das Impf-Wochenende bleiben lediglich Blendwerk und frustrieren die Betroffenen immer mehr, wenn sie jetzt wochenlang zwischen besetzter Hotline, Warteliste und ihren Hausärzt*innen hin- und hergeschickt werden.

Ministerpräsident Weil und Sozialministerin Behrens müssen jetzt umgehend zusammen mit dem Landtag und Vertreter*innen der Impfzentren und der Hausärzt*innen eine tragfähige und verlässliche Impfstrategie für die kommenden Wochen entwickeln. Sie muss bestehende Fehler im System beheben und die Priorisierung nicht weiter untergraben. Es braucht kurzfristig Antworten, welche Konsequenzen die Landesregierung daraus ziehen will. Denn dieses Hin und Her zehrt zunehmend an der Akzeptanz.

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