Pressemeldung Nr. 454 vom

Kein Anlass für vorschnelle Entwarnung GRÜNE kritisieren unbefriedigende Beweislage bei Untersuchung zu Leukämiehäufung an der Asse

Nach der heutigen (Donnerstag) Vorlage des Abschlussberichts über die Untersuchungen zur Krebshäufung im Umfeld der Asse sieht der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel „keinen Anlass für eine vorschnelle Entwarnung“. Belegt bleibe die ungewöhnliche Häufung von Leukämien und Schilddrüsenkrebs in der Samtgemeinde Asse, sagte der Grünen-Politiker in Hannover. Völlig unbefriedigend seien die Möglichkeiten zur Klärung der Ursachen. „Die absolut dürftige Datenlage ist ein Teil des Asse-Skandals“, sagte Wenzel. Alle Betreiber von Atomanlagen müssten künftig verpflichtet werden, amtlich kontrollierte Verzeichnisse über möglicherweise berufsbedingte Erkrankungen ihrer Mitarbeiter zu führen. Das müsse auch für Leiharbeiter und Mitarbeiter von beauftragten Firmen gelten, die nach Jahren bislang nur schwer zu erfassen seien.

"Es besteht schon länger der Verdacht, dass in Atomkraftwerken und anderen Atomanlagen gezielt Fremdfirmen mit Zeitarbeitsverträgen für gefährliche Arbeiten oder Arbeiten mit höherer Strahlenbelastungen eingesetzt werden“, sagte der Grünen-Politiker. Die Kontrolle sei nur dann möglich, wenn berufsbedingte Erkrankungen über mehrere Jahrzehnte hinweg statistisch erfasst würden und amtlich kontrolliert würden.

Dass die Expertengruppe nun von "keinen eindeutigen Hinweisen auf einen möglichen Verursacher" spreche, zeige den Handlungsbedarf für die Zukunft, sagte Wenzel. Die Einschränkung „nicht eindeutig“ könne sowohl der unzulänglichen Datenlage als auch dem Abbau von wissenschaftlichen Kapazitäten in diesem Bereich geschuldet sein. Der Grünen-Politiker forderte eine gründliche Auswertung des Materials durch die Umwelt-, Sozial und Wissenschaftsausschüsse des Landtages. Mit der Novelle des Krebsregisters sei eine erste Konsequenz gezogen, aber ein hoch technisiertes Industrieland dürfe sich nicht mit solch mageren Erkenntnissen zufrieden geben. Schließlich habe die Kinderkrebsstudie den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und dem Betrieb von Atomanlagen bewiesen.

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