Rede Heiner Scholing: Zukunft der inklusiven Schule gestalten (Antrag der CDU)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede

„Inklusion ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ So schreiben sie richtigerweise in der Begründung zu ihrem Antrag.

Ich möchte dieser Aussage gerne einige grundlegende Ergänzungen hinzufügen:

Inklusion ist eine lohnende Aufgabe. Denn sie eröffnet Perspektiven, wie Schulen der wachsenden Heterogenität begegnen können. Eine Heterogenität, die übrigens nicht nur durch die gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Schülern bedingt ist.

Inklusion ist vor allem eine Haltung. Eine Haltung, die sich auf alle Prozesse in der Schule bezieht: auf das Schulleben, auf die Art der Zusammenarbeit, vor allem natürlich auf den Unterricht

Inklusion ist ein langfristiger Prozess, der alle Akteure vor große Herausforderungen stellt, der immer wieder schwierig, ja widersprüchlich sein wird.

Und ich will auch gerne noch hinzufügen, was Inklusion nicht ist: Sie ist kein Tummelplatz zum Ausleben politischer Kontroversen.

Die Schulgesetzänderung 2012 hat der Entwicklung der eigenverantwortlichen Schule eine Dynamik verliehen, auf die viele betroffene Eltern und auch Pädagogen und Verbände lange gewartet haben. Zahlreiche Rahmenbedingungen waren aber nicht gesichert.

Zur Absicherung der Entwicklung wäre es beispielsweise dringend geboten gewesen, Beratungs- und Förderzentren zu etablieren, die die Entwicklung in den Regionen unterstützt und steuert. Das ist nicht geschehen.

Die Zuweisung von Ressourcen ist dürftig geblieben und es ist hat keine Planung gegeben, wie das notwendige Personal zur Verfügung gestellt werden kann.

Jetzt machen Sie mit ihrem Antrag das große Fass auf. Sie stellen Forderungen auf, um deren Umsetzung sie sich besser im Vorfeld der Einführung der inklusiven Schule eingesetzt hätten. Ein Beispiel dafür: sie fordern, dass ein tragfähiges Entlastungssystem für Förderschulleitungen entwickelt wird. Darauf haben die Förderschulleitungen übrigens mindestens 10 Jahre gewartet.

In ihren Forderungskatalog mischen Sie dann ihre Kritik an unseren Plänen der Weiterentwicklung der inklusiven Schule ein. Wahlfreiheit erhalten – darum geht es ihnen im Kern. Dabei wird dann einfach einmal unterschlagen, dass durch die Einführung der inklusiven Schule diese Wahlfreiheit in einem ersten Schritt bereits abgeschafft wurde – nämlich im Primarbereich der Förderschule Lernen. Aber die Tür, um sich aus diesem Schritt zu korrigieren, wollen sie ja auch wieder öffnen.

Rot/grün will die Förderschulen abschaffen. Das sagen sie zwar in diesem Antrag nicht, aber damit ziehen sie durch die Lande. Nur ist die Aussage falsch.

  1. Die Förderschulen geistige Entwicklung, körperlich motorische Entwicklung  und die Förderschulen Sehen und Hören haben Bestand.
  2. Die Förderschulen Sprache bzw. die Förderklassen Schwerpunkt Sprache sollen sich zu Schwerpunktgrundschulen weiterentwickeln. Es geht nicht um abschaffen – es geht um weiterentwickeln.

Wir haben bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Weiterentwicklung der inklusiven Schule abzusichern:

Zusätzliche Lehrkräfte bzw. Stellen für pädagogische Mitarbeiterinnen

Ausbau der Qualifizierungsmaßnahmen

Jetzt gerade entwickelt: Qualifizierung im Rahmen von schulinternen Fortbildungen

Zahlreiche Maßnahmen, um dem wachsenden Bedarf an Förderschullehrkräften nachzukommen.

Bildungspolitik ist ein ausgewiesener Schwerpunkt dieser Landesregierung. Und im Rahmen unserer Bildungspolitik nimmt die Weiterentwicklung der inklusiven Schule eine zentrale Stelle ein.

Ein Antrag, der einfach mal alles auflistet, was in der Öffentlichkeit diskutiert wird und dabei schließlich undifferenziert und oberflächlich bleibt, hilft in der notwendigen Auseinandersetzung nicht weiter. Sie suchen nicht den Konsens – sie versuchen die Herausforderungen, die mit der Einführung der inklusiven Schule verbunden sind zu instrumentalisieren.

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