Rede Heiner Scholing: Haushaltsberatungen 2014 - Tierschutz (Agrar)

- Es gilt das gesprochene Wort –

Anrede,

ich will mit einem ausdrücklichen Lob an CDU und FDP bzw. ihren Landwirtschaftsminister Lindemann beginnen – ob die Fraktionen wirklich dahinter standen, kann ich nicht beurteilen. Und ich kann auch nicht beurteilen, ob sich die Kollegen der CDU und der FDP dem Gegenwind bei der Umsetzung ausgesetzt hätten. Egal: Sie haben den Tierschutzplan auf den Weg gebracht und der ist gut!

Wir setzen den Tierschutzplan jetzt um und dafür stellen wir 1,5 Mio. Euro in den Haushalt ein, weil es natürlich erheblichen Koordinations- und Forschungsbedarf gibt. Mit diesen Mitteln sichern wir, dass die Ziele erreicht, die Maßnahmen umgesetzt und der ambitionierte Zeitplan eingehalten wird.

Anrede,

der Tierschutz in der Nutztierhaltung ist kein grünes Nischen-Thema. Es kann nicht abgetan werden als das Gequatsche von Städtern, deren einziger Bezug zum Tier der zu ihrer Katze oder zu ihrem Wellensittich ist. Es  ist ein ganz zentrales Thema unserer Landwirtschaft in Niedersachsen.

Immerhin hat der Schutz der Tiere Verfassungsrang und ist damit Ausdruck eines gesellschaftlichen Anspruchs und den müssen wir ernst nehmen und umsetzen.

Da kann es eben nicht angehen, dass wir die Tiere weiterhin den Ställen anpassen indem wir ihnen die Schwänze und Schnäbel abschneiden, damit wir sie irgendwie hinein zwängen in unsere industrielle Form der Lebensmittelproduktion. Nein, es muss umgekehrt sein: Die Haltungssysteme müssen an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden. Und deshalb ist es richtig und notwendig, dass wir die Forschung voranbringen und Pilotprojekte fördern.  Darüber hinaus wollen wir in den Investitionsförderprogrammen aus dem ELER einen deutlichen Schwerpunkt auf die Förderung tiergerechter Haltungssysteme legen: Für die Schweinehaltung auf Stroh, für Geflügelhaltungssysteme, die ohne Schnäbelkürzen auskommen. Das geht! Das geht in Österreich und das geht auch hier. Wir müssen es nur wollen und entsprechend vorantreiben.

Anrede,

vor wenigen Tagen wurden die Zahlen veröffentlicht, wie viel Antibiotika im letzten Jahr an Nutztiere verabreicht wurden. 1.619 Tonnen waren das – allein im Postleitzahlenbereich 49, also im westlichen Weser-Ems, über 500 Tonnen. Das war zwar ein leichter Rückgang um rund fünf Prozent gegenüber 2011, aber das Grundproblem bleibt.

In Studien in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurde untersucht, welcher Anteil des Mastgeflügels im Laufe seines Lebens mit Antibiotika behandelt wurde. Wir müssen uns nicht darüber  streiten, ob es nun 96 Prozent oder 80 Prozent waren. Fakt ist doch: Ein Haltungssystem, in dem der weit überwiegende Anteil der darin gehaltenen Tiere krank werden und mit Antibiotika behandelt werden müssen, ist selber krank.

Und deshalb gehen Tierschutz und der Kampf gegen den massenhaften Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung zusammen. Tiere, die gesund bleiben, ohne sie mit Medikamenten voll zu stopfen, können nur in tiergerechten Haltungssystemen gehalten werden. Und gesund sein können Tiere nur, wenn sie hinsichtlich ihrer Leistung nicht überfordert werden. Immer höhere Milchleistungen bei Kühen, immer höhere Tageszunahmen beim Mastgeflügel – möglichst noch mit so viel Brustfleisch, dass sie fast vorne über kippen – da ist das Ende der Fahnenstange längst erreicht.

Anrede,

Tierschutz ist gesellschaftliche Verantwortung und Tierschutz ist nicht zuletzt Menschenschutz, wie das Antibiotika-Thema eindrücklich zeigt. Dieser Verantwortung werden wir gerecht.

Vielen Dank!

 

 

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