Große Anfrage: Altenpflegeausbildung in Niedersachsen

Große Anfrage

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen                                                                          Hannover, den 05.09.06

 

Altenpflegeausbildung in Niedersachsen

In den vergangenen Jahren gab es zu Schuljahresbeginn für die Ausbildung zum/zur AltenpflegerIn immer wieder eine hohe Zahl von Anfragen und Bewerbungen bei den Fachschulen für Altenpflege. Aufgenommen werden konnte trotz ausreichender Ausbildungskapazitäten aber jeweils nur ein Teil der Bewerberinnen und Bewerber, da es an Praxisstellen für die Schülerinnen und Schüler mangelt. Die stationären Einrichtungen der Altenhilfe bilden zu einem immer geringer werdenden Anteil Altenpflegerinnen und Altenpfleger aus, weil ihnen nach eigenen Angaben die Refinanzierung durch die Pflegekassen im Verhältnis zu den Kosten nicht ausreicht. Ambulante Pflegeeinrichtungen wiederum stellen in der Regel überhaupt keine Praxisplätze zur Verfügung, obwohl die wachsende Bedeutung ambulanter Pflege von allen Beteiligten anerkannt wird.

Unabhängig davon hat die Bundesagentur für Arbeit kontinuierlich ihre Maßnahmen für Umschülerinnen und Umschüler zur Altenpflege zurückgefahren und die Förderdauer auf 2 Jahre verkürzt.

Angesichts des ständig steigenden Anteils älterer Menschen in der Gesellschaft steigt auch der Bedarf an Pflegeleistungen insbesondere bei den Hochbetagten. Ein erheblicher Anstieg ist auch bei den demenziell Erkrankten zu verzeichnen. Der Landespflegebericht geht hier von einer Zunahme bis 2020 um 39.000 Personen aus. Die Pflege und Betreuung der Betroffenen kann nicht allein von Angehörigen und ehrenamtlich tätigen Menschen geleistet werden. Diese benötigen professionelle Anleitung und Unterstützung durch Fachpersonal, um die ihnen gestellten Anforderungen bewältigen zu können.

Wir fragen die Landesregierung:

Fachschulen für Altenpflege, Ausbildungszahlen

  • Wie viele Schulen für die Ausbildung von AltenpflegerInnen und wie viele Schulen zur Ausbildung von AltenpflegehelferInnen gibt es in welcher Trägerschaft in Niedersachsen?
  • Wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich seit Schuljahresbeginn 2003 jährlich um einen Ausbildungsplatz

    a) zum/zur AltenpflegerIn an einer Fachschule und
    b) zum/zur AltenpflegehelferIn an einer dafür zugelassenen Ausbildungsstätte in Niedersachsen beworben?
  • Wie viele Schülerinnen und Schüler wurden seit 2003 jährlich von den Schulen zum Schuljahresbeginn aufgenommen?

    a) zur Altenpflegeausbildung
    b) zur Altenpflegehilfeausbildung
    c) Waren damit die Kapazitäten der einzelnen Schulen ausgelastet?
  • Wie viele der aufgenommenen Schülerinnen und Schüler erreichten einen Abschluss?
  • Wie viele BewerberInnen

    a) zur Altenpflege und
    b) zur Altenpflegehilfe

    mussten aufgrund nicht ausreichend vorhandener Praxisplätze abgewiesen werden?
  • Welche Möglichkeiten haben AbsolventInnen der Altenpflegehilfe, sich für die Ausbildung zur AltenpflegerIn weiterzubilden und von wie vielen wird dieses Angebot genutzt?
  • Wie viele Fachschulen für Altenpflege in Niedersachsen erheben von den angehenden AltenpflegerInnen Schulgelder, wie viele nicht?
  • Wie ist die durchschnittliche Höhe der Schulgelder und in welcher Varianzbreite bewegen sie sich?

Praxisstellen

  • Wie viele

    a) stationäre und teilstationäre Einrichtungen der Altenpflege und
    b) wie viele ambulante Altenpflegeeinrichtungen halten zurzeit Stellen für Auszubildende vor, wie viele nicht?

  • Wie viele Einrichtungen der Altenpflege unterschreiten die tariflich vorgesehene Vergütung für Auszubildende? In welchem Maße wird die Vergütung jeweils gekürzt?
  • Was gedenkt die Landesregierung zu tun, um die Träger

    a) der stationären und teilstationären und
    b) der ambulanten Altenpflege zur Bereitstellung einer größeren Anzahl von Ausbildungs- bzw. Praxisstellen zu bewegen?
    c) Wie werden die nicht ausbildenden Einrichtungen bisher an den Kosten der Ausbildung beteiligt?

Refinanzierung der Ausbildungskosten

  • Wie beurteilt die Landesregierung die Tatsache, dass Einrichtungen, die ausbilden und ihre Ausbildungsvergütung auf die Pflegesätze angerechnet bekommen, von den Bewohnern zusätzliche Kosten verlangen können und verlangen und dadurch in einen Wettbewerbsnachteil mit denjenigen Altenpflegeinrichtungen geraten, die nicht ausbilden?
  •  a) Wie hoch ist die Refinanzierungsquote für die Auszubildenden seitens der Pflegekassen, gemessen an den tatsächlichen Kosten, die den Trägern der Altenpflege dafür entstehen?
    b) Gibt es eine Refinanzierung für Ausbildungsstellen oder Teile der Ausbildung im Bereich der ambulanten Altenpflege?
    c) Reichen diese sogen. Refinanzierungen nach Ansicht der Landesregierung aus?
    d) wie viele Praxisplätze für Auszubildende könnten im Falle einer ausreichenden Refinanzierung in ambulanten Pflegeeinrichtungen eingerichtet werden?
  • Wie hoch ist der Anrechungsschlüssel für Auszubildende in der Altenpflege in Bezug auf volle Fachkraftstellen

    a) im stationären/teilstationären Bereich
    b) in der ambulanten Altenpflege?

Umschulungen

  • Wie viele Umschülerinnen und Umschüler wurden und werden seit 2003 – jährlich – im Rahmen der Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) zu AltenpflegerInnen umgeschult?
  • a) Nach welchen Rahmenbedingungen wird es in Zukunft noch die Ausbildung zur AltenpflegerIn oder anderen Pflegeberufen oder Pflegehilfsberufen im Rahmen der Umschulungsförderung der BA geben?
    b) wird die Landesregierung die von der BA nicht mehr geförderten Teile der Ausbildung in Zukunft aus eigenen Mitteln fördern oder den Trägern hierzu Empfehlungen geben?

Praxisanleitung

  • Wie stellt das Kultusministerium sicher, dass die praktischen Ausbildungsstätten die Anforderungen an de PraxisanleiterInnen gem. RdErl. d. MK v.20.4.2005 einhalten und die Praxisanleitung im notwendigen Umfang erfolgt?

Fachkraftquote

  • Hat die Landesregierung Erkenntnisse, zu welchen Prozentsätzen die Pflegeheime die Fachkraftquote erfüllen?
  • Unterstützt die Landesregierung die Initiative des Landes Baden-Württemberg zur Herabsetzung der so genannten Fachkraftquote in Pflegeheimen? Wenn nicht: gibt es seitens der Landesregierung Überlegungen und Planungen, nach Verlagerung der Zuständigkeit für das Heimrecht an die Bundesländer, die Fachkraftquote

    a) herabzusetzen oder
    b) die Definition dessen, was Fachkraft ist, zu verändern?

Zukünftige Struktur der Altenpflegeausbildungen und Bedarf an Pflegepersonal

  • a) Welche Planungen verfolgt die Landesregierung für die Struktur und Art der Ausbildungsgänge im Bereich der Altenpflege nach Abschluss der Föderalismusreform?
    b) will die Landesregierung zukünftig eine auf 2 Jahre ausgerichtete Ausbildung erstens zu Lasten der dreijährigen Ausbildung und zweitens zur Erweiterung der einjährigen HelferInnenausbildung aufbauen?
    c) soll auf die Ausbildung von AltenpflegehelferInnen in Zukunft ganz verzichtet werden?
    d) Wie beurteilt die Landesregierung den Modellversuch integrierte Pflegeausbildung?
  • Laut Landespflegebericht ist mit einem Mehrbedarf an Pflegefachpersonal in der Altenpflege von 2570 – 3250 Personen bis 2020 und von 11200 Personen bis 2050 zu rechnen. Kann bei der derzeitigen Zahl von Praxisplätzen für die Ausbildung dieser Bedarf gedeckt werden?
  • In welchem proportionalen Verhältnis sollen nach Ansicht der Landesregierung in Zukunft AltenpflegerInnen, AltenpflegehelferInnen, sonstige Fachkräfte und angeleitete Arbeitslose (1-Euro-Kräfte) in Einrichtungen der Altenpflege eingesetzt werden?
  • a) Nach welchen Kriterien bestimmt sich der in §25 des Bundesgesetzes über die Berufe in der Altenpflege zur Bedingung der Erhebung einer Umlage apostrophierte Mangel an Pflegepersonal?
    b) Welche Definition des Mangels hat sich das Land Baden-Württemberg zu Eigen gemacht?
    c) Wird sich die Landesregierung der Definition Württembergs  anschließen?

Personalfluktuation, Berufszufriedenheit

  • a) Wie lange ist im Durchschnitt der Verbleib ausgebildeter AltenpflegerInnen in ihrem Beruf?
    b) welche Faktoren spielen bei der Entscheidung, das Berufsfeld zu verlassen, die Hauptrolle?
  • Was tut die Landesregierung, was tun die Träger der Pflegeeinrichtungen, um die Berufszufriedenheit der Fachkräfte zu erhöhen und ihren Verbleib im eigenen Beruf zu fördern?
  • Sind der Landesregierung Regionen bekannt, in denen Pflegeeinrichtungen ihren Bedarf an Fachkräften nicht decken konnten oder können?
  • Ist es zutreffend, dass die Arbeitsagenturen bei der Ermittlung der Anzahl arbeitsuchender Pflegekräfte nicht zwischen Fach- und Hilfskräften differenzieren? Welche Auswirkungen hat das?
  • a) Ist der Landesregierung bekannt, inwieweit in der Krankenpflege durch das neue Komplexleistungssystem und andere veränderte gesundheitspolitische Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser Krankenpflegepersonal freigesetzt wurde und für die Altenpflege gewonnen werden konnte?
    b) Wie viele AbsolventInnen von Krankenpflegeschulen sind in den vergangenen 5 Jahren nicht an Krankenhäusern angestellt worden, sondern haben eine Tätigkeit in Einrichtungen der Altenhilfe aufgenommen?
  • a) Wie ist das Durchschnittsalter der in der Altenpflege beschäftigten Personen und wie hat sich dieses in den vergangenen Jahre (Zeitraum 10/5 Jahren) entwickelt?
    b) Hat die Landesregierung Erkenntnisse zur Zahl der in den nächsten Jahren in Rente gehenden Altenpflegerinnen und Altenpfleger?

Parlamentarische Geschäftsführerin

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