Dringliche Anfrage: Politische Konsequenzen aus dem Amoklauf von Emsdetten

Nach dem tragischen Amoklauf eines ehemaligen Schülers in Emsdetten forderte Innenminister Schünemann ein Verbot von so genannten PC-Killerspielen und suggerierte damit, dass solche Spiele eine Ursache von unkontrollierten Gewaltausbrüchen sein können.

Die Medienwirkungsforschung ist sich allerdings bis heute über die Wirkung von PC-Spielen nicht einig. Es gibt eine Vielzahl von sich zum Teil diametral widersprechenden Studien. So gehen einige Wissenschaftler zwar davon aus, dass sich die potenzielle Gewaltbereitschaft kurzzeitig nach dem intensiven Konsum von Gewaltspielen erhöht, allerdings sind insbesondere die langfristigen Wirkungen hoch umstritten. Andere Fachleute kommen zu dem Schluss, dass virtuelle Ausübung von Gewalt die reale Gewaltanwendung sogar reduzieren könne. Wiederum andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass durch PC-Spiele räumliches und analytisches Denken gefördert wird, eine zu intensive Nutzung aber auch eine negative Wirkung auf die Schulleistung von Jugendlichen haben kann. Insbesondere die Frage, was Ursache und was Wirkung von Gewaltspielen ist, ist bis heute ungeklärt. Bezeichnenderweise kommt "Spiegel-Online" daher zu dem Schluss, dass es eine "krasse empirische Lücke" hinsichtlich der Wirkung von PC-Spielen mit intensiven Gewaltinhalten gibt und bezieht sich dabei auf eine Untersuchung der Universität Mainz im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Deutlich wird bei fast allen Untersuchungen zu Computerspielen indessen, dass das soziale Umfeld in Form von Elternhaus, Schule und Sozialkontakten eine ganz entscheidende Rolle bei der Wirkung von PC-Spielen hat. 

Vielfach halten Experten ein Verbot von Killerspielen für wirkungslos, da beispielsweise das umstrittene Spiel Counterstrike fast nur noch online im virtuellen World Wide Web gespielt wird und Gewaltspiele problemlos aus dem Internet herunter geladen werden können. Daher plädieren insbesondere Medienwissenschaftler für eine bessere Medienkompetenz bei Schülern und Eltern, damit sinnvolle Software von sinnloser unterschieden werden kann.

Jenseits der Frage, ob PC-Spiele nun eine sinnvolle oder pädagogisch fragwürdige Freizeitbeschäftigung sind, kommen Kriminologen und Psychologen zu dem Schluss, dass der Amoklauf von Emsdetten seinen Grund in der starken Vereinzelung und dem hohen Frustrationsgrad des Schülers hatte. Schulische Misserfolge und Ausgrenzung und damit verbundene Ohnmachtsgefühle haben somit zu der aggressiven Tat geführt. Politik muss an den Ursachen von Gewalt ansetzen, wenn sie zukünftige Gewaltausbrüche präventiv verhindern will. Zudem wurde nach dem Amoklauf erneut der leichte Zugang zu realen Waffen kritisiert. Insbesondere jugendliche Amokläufer haben den Schusswaffengebrauch vorher immer an echten Waffen trainiert. Der Innenminister hat dazu bisher nichts gesagt.

Wir fragen die Landesregierung:

  1. Welche politischen Konsequenzen zieht die Landesregierung aus dem Schluss von Kriminologen und Gewaltforschern, dass Leistungsdruck in der Schule, gepaart mit Vereinzelung und daraus resultierender Aggression, zu dem Amoklauf von Emsdetten geführt haben?
  2. Wie unterscheidet sich das von Innenminister Schünemann geforderte Verbot von Killerspielen von dem bereits existierenden Verbot im § 131 StGB, dass Gewaltdarstellungen in verherrlichender oder verharmlosender Weise, auch von menschenähnlichen Wesen, unter Strafe stellt und damit auch Computerspiele erfasst, in denen die Menschenwürde verletzt wird?
  3. Wie bewertet die Landesregierung die Beurteilung von Familienministerin von der Leyen, dass der Jugendmedienschutz und die staatlich regulierte Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware in Deutschland gut funktionieren?

Fraktionsvorsitzender

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