Veranstaltungsbericht

Moorschutz = Artenschutz + Klimaschutz

Kurzbericht zu unserem Webinar am 31. August 2021

Niedersachsen ist Moorland, hier liegen rund 70 Prozent der Hochmoore Deutschlands. Intakte, naturnahe Moore sind Hotspots der Artenvielfalt, und gleichzeitig riesige CO2-Speicher. Zudem leisten sie mit ihrer Schwammfunktion einen wichtigen Beitrag für den Wasserrückhalt, was in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger wird. 

Doch viele Moorgebiete sind in einem schlechten Zustand. Wo Moore entwässert sind, zersetzt sich der Torfkörper und gibt CO2 frei. 12 Prozent der niedersächsischen Treibhausgasemissionen stammen aus Mooren und Moorböden. Ein Großteil der Moorflächen wird landwirtschaftlich genutzt. Auch der Torfabbau trägt zum Schwund von Moorflächen bei.

Moore sind ein unterschätzter Klimaschützer. Wie können wir unsere Moore schützen? Welchen Beitrag können vitale Moore zu Klimaschutz und Wassermanagement leisten? Wie kann eine torferhaltende Landwirtschaft gelingen? Dazu diskutierten am 31. August 2021 rund 80 Teilnehmenden mit Imke Byl, Christian Meyer und Miriam Staudte.

Mitschnitt des Webinars

Imke Byl, klimaschutzpolitische Sprecherin

„Moore sind einzigartig!,“ so eröffnete die klima- und umweltpolitische Sprecherin Imke Byl ihr Plädoyer für den Schutz der Moore. Obwohl das Bundesverfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil mehr Klimaschutz eingefordert hat, sei die Große Koalition im Bund jüngst daran gescheitert, eine ressortübergreifende Nationale Moorschutzstrategie zu beschließen. Byl kritisierte, dass auch der Moorschutz in Niedersachsen nur schleppend vorankomme. Mit einer Großen Landtagsanfrage machen die Grünen hier aktuell Druck.

Imke Schweneker, BUND Diepholzer Moorniederung

Imke Schweneker, stv. Leiterin des BUND Diepholzer Moorniederung, beschrieb den Moorschutz als Generationenaufgabe. Für den Naturschutz seien insbesondere intakte und ungenutzte Moorstandorte wertvoll. Das Wissen sei vorhanden, doch es hapere an der Umsetzung. Genehmigungsverfahren dauerten oft viele Jahre, mangelnde Flächenverfügbarkeit behindere die Umsetzung. Sie forderte eine konsequente und schnellere Wiedervernässung. Die Erfahrung zeige, dass Freiwilligkeit allein kein ausreichendes Instrument sei. Zudem benötige die Durchführung des Moorschutzes dauerhafte Strukturen jenseits von Projektförderungen.

Doris Plenter und René Hertwig, Projektleitung Großes Moor, NABU Gifhorn

Doris Plenter und René Hertwig leiten das Projekt Großes Moor beim NABU-Kreisverband Gifhorn und berichteten aus der praktischen Arbeit vor Ort. Unter Einbindung von Ehrenamt, Schulen und Firmen werden Arbeitseinsätze in Handarbeit durchgeführt, zudem findet Umweltbildung zu Mooren und Heide statt. Doch eine dauerhafte Finanzierung sei nicht gesichert, die Arbeit hänge immer wieder von kurzfristigen Projektlaufzeigen ab. Die fehlende Perspektive führe zu Fluktuation beim Personal, was einen steten Wissensverlust bedeute. Viele Fördermaßnahmen erforderten zudem einen Anteil an Eigenmitteln, was für einen Naturschutzverband nicht zu leisten sei.

Dr. Greta Gaudig, Greifswald Moor Centrum

Dr. Greta Gaudig, Leiterin des Greifswald Moor Centrum, beschrieb das Potential einer nachhaltigen, torferhaltenden Nutzung von Moorstandorten. Der Anbau von Torfmoosen sei eine Möglichkeit für innovative Wertschöpfung auf nassen Mooren, die in Niedersachsen bislang auf einer Fläche von rund 20 Hektar erfolge. Die Anbaupraxis sei ausreichend erprobt, um in der Fläche umgesetzt zu werden. Um den jährlichen, bundesweiten Bedarf an 3 Mio. Kubikmetern Weißtorf zu ersetzen, sei eine Anbaufläche von 35.000 Hektar erforderlich. In Niedersachsen gebe es ausreichend geeignete Flächen von Hochmoorgrünland und Torfabbauflächen. Bislang bietet der Anbau von Paludikulturen für die Landbewirtschaftenden jedoch keine ausreichende Einkommensperspektive. Damit sich Klimaschutz auf Moorstandorten lohne, müssten die Klimaschutz- und Ökosystemleistungen der Paludikultur honoriert werden und Absatzmärkte und Vertriebswege ausgebaut werden. Zudem verhindere bislang das Grünlandumbruchverbot auf Moorstandorten die Umwandlung in Tormoos-Dauerkulturen.