Veranstaltungsbericht

Klimakongress

Veranstaltungsbericht zum Klimakongress am 23. Juni 2018

Während die GroKo im Bund Klimaschutzziele kippt und wir in Niedersachsen auf eine Reaktion der Landesregierung auf unser grünes Klimaschutzgesetz warten, wird auf lokaler Ebene schon heute in vielfältiger Weise Klimaschutz betrieben. Wie sieht Klimaschutz konkret aus und wie wird er zum Erfolg? Das haben wir auf unserem Klimakongress zusammen mit vielen Initiativen, kommunalpolitisch Aktiven und weiteren Interessierten diskutiert.

Ergebnisse auf einen Blick

  • Ganz wichtig: Jede Person kann sich einbringen! Jeder Mensch hat eigene Fähigkeiten und Interessen. Die Vielfalt ist das, was der Bewegung nützt. Du kannst gut schreiben? Schreibe Leser*innenbriefe oder Artikel! Du kannst gut rechnen und mit Zahlen umgehen? Jede Bewegung braucht ihre Haushälter*innen! Du kannst gut kochen? Dann sorge doch für die Verpflegung der Teilnehmer*innen auf einer Kundgebung oder Seminaren der Klimabewegung!
  • Vernetzt euch, bildet Banden: Es gibt eine sehr starke Lobby GEGEN Klimaschutz und die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen. Ein Grund mehr, in der Klimabewegung zusammenzuhalten und sich gegenseitig starkzumachen! Es gibt viele unterschiedliche Formen des Protests und des politischen Aktivismus – jede erfüllt ihre eigene Funktion. Nutzt das als Stärke!
  • Seid euch eurer Zielgruppe klar und achtet auf die Relevanz eurer Botschaft:  Ist sie signifikant für die Zielgruppe? Wie bringe ich die Botschaft rüber? Was sind meine Kommunikationswege?
  • Wissensmanagement ist der Schlüssel: Die Bewegung lebt von Ehrenamtlichen, viele sind jedoch überarbeitet. Schnell fallen Vernetzung, Wissensmanagement und das Aufmerksam-Machen auf erfolgreiche Projekte hintenüber. Dabei sind sie so wichtig, damit nicht das „Rad immer neu erfunden wird“ und auch Nachwuchs neu dazukommt. Sichtbarkeit ist entscheidend!
  • Bessere Technologie allein reicht nicht: Es ist wichtig, die technische Entwicklung voran zu treiben, aber damit allein retten wir das Klima nicht. Wir müssen uns auch fragen, was wir für ein gutes Leben wirklich brauchen und damit den Suffizienzgedanken hervorheben. Und genau das müssen wir auch in Projekten kommunizieren. Beides ist wichtig, Suffizienz und Effizienz.
  • Radikalität ist der neue Realismus“: Angesichts der riesigen Herausforderungen ist das Nichtstun von CDU/CSU, SPD und FDP, aber auch der meisten Machthaber*innen weltweit zynische Realitätsverweigerung. Wir brauchen eine radikale Umwelt- und Klimapolitik!
  • Konsum ersetzt keine Politik: Einzelne Konsumentscheidungen sind wichtig, klimafreundliches Verhalten muss aber belohnt und nicht bestraft werden à die Rahmenbedingungen müssen sich ändern! Dazu braucht es Mehrheiten für deutliche Entscheidungen in der Politik. Die eigene Politik in Konsumentscheidungen und eigenen Lebensstil umzusetzen ist also richtig, ersetzt aber nicht das Streiten für gute Umwelt- und Klimapolitik.
  • Ökologie & Soziales: Ökologie und Klimaschutz ist immer auch eine soziale Frage. https://www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/Letztendlich geht es um die Verteilung von Ressourcen und darum, wer sich gegen die Folgen von Umweltzerstörung und Klimakrise einigermaßen schützen kann, und wer nicht. Schon heute sind besonders einkommensschwache Familien als Anwohner*innen vielbefahrener Straßen vom Dieselskandal betroffen, international leiden besonders die Länder des Globalen Südens durch die Klimakrise. 

Veranstaltungsbericht

Nach der Begrüßung durch Anja Piel, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, und Imke Byl, energie- und klimaschutzpolitische Sprecherin, legte Dr. Julia Verlinden, Mitglied des Bundestags und energiepolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, in ihrem Input „Von der Energiewende zur Klimagerechtigkeitsbewegung“ dar, weshalb Klimaschutz für Politik und Gesellschaft hochaktuell ist. Wo stehen wir gerade? Was hat die Energiewende mit Gerechtigkeit zu tun? Was können wir konkret vor Ort tun? Wie schaffen wir das gemeinsam? Und was kann dieser Kongress dazu beitragen? Dies waren Fragen, die im Vortrag aufgeworfen wurden. Hier könnt ihr den Input nachlesen.

Anschließend erklärten Ulrike Oemisch (Permakultur Akademie) und Dr. Thomas Köhler (Transition Town Hannover) in ihrem Vortrag zu „Klimaschutz oder große Transformation“, wie ein Wandel geschehen kann und welche Projekte es konkret in Hannover gerade gibt, die den Wandel gestalten. Die Folien von Ulrike sind hier einsehbar.

In der darauffolgenden Workshopphase haben sich die Kongressteilnehmer*innen intensiv zu den jeweiligen Themen ausgetauscht und vernetzt.

Landwirtschaft

Was hat die Kuh mit dem Klimawandel zu tun? Landwirtschaft und ihr Beitrag zu einem erfolgreichen Klimaschutz“ (moderiert von Miriam Staudte, MdL und agrarpolitische Sprecherin)

Konsens innerhalb des Workshops war, dass wir neben Maßnahmen wie mehr Ökolandbau und einer Tierzahlreduktion in Niedersachsen einen Dialog mit den Landwirt*innen brauchen, um über die Ökologisierung auch der konventionellen Landwirtschaft sprechen zu können. Verschiedene Initiativen wurden vorgestellt, darunter Bildungsmaßnahmen wie Führungen auf Bauernhöfen und das Planspiel „Das neue Düngerecht“, um die Folgen eines großen Eintrags von Dünger zu simulieren. Es wurden Forschungsprojekte vorgestellt, die es zum Beispiel möglich machen sollen, im konventionellen Anbau die Spritzmittel zu verringern. Außerdem gibt es zum Beispiel Maßnahmen innerhalb der Kommunen, die öffentliche Versorgung rein auf Biolebensmittel umzustellen.

Mobilität

Klimaschutzfreundliche Mobilität – lokale Lösungen“ (moderiert von Detlev Schulz-Hendel, MdL und verkehrspolitischer Sprecher)

Ein Ergebnis des Workshops war, dass wir radikale und zeitnahe Projekte brauchen. In Niedersachsen gibt es einige Initiativen wie HannovAIR Connection, Fahrradstadt Braunschweig und das Lastenradprojekt Hannah, welche innerhalb des Workshops vorgestellt wurden. Als Maßnahmen wurde Punkte wie Radschnellwege, Reduzierungen des Parkraums in Innenstädten und des Straßenausbaus diskutiert. Als Vorbild wurde auch das Schülerticket für 365 Euro/Jahr in Hessen genannt, welches dazu führt, dass Schüler*innen sozial gerecht lernen, mit dem ÖPNV umzugehen.

Bildung

Wissen ist Macht. Bildung für Nachhaltige Entwicklung für eine klimagerechte Welt“ (moderiert von Julia Hamburg, MdL und bildungspolitische Sprecherin)

Im Workshop wurden als wichtige Grundlagen die Überarbeitung von Lehr- und Lerninhalten sowie das Leben von Nachhaltigkeit in Schule und Verwaltung genannt. Es gibt gute Projekte wie die Klimanauten, die Erlebnistage Harz und Zukunftsinseln. Die Vernetzung und Verständigung zwischen einzelnen Akteur*innen muss noch verbessert und das Querdenken gestärkt werden. Dabei kann Digitalisierung eine Chance sein. Projekte mit Schulen bringen eine breite Zielgruppe, doch es kann auch gute Projekte außerhalb der Schule geben, so zum Beispiel in außerschulischen Lernorten, bei Projekten mit kritischen Gruppen wie Landwirt*innen und beim Stadtteillernen, wodurch Nachhaltigkeit innerhalb eines Stadtviertels gelebt wird. Die Transition auf dem Land darf nicht vernachlässigt werden, dazu können die Landfrauen ein wichtiger Kooperationspartner sein.

Energie

Weniger ist mehr. Energiesparen und CO2-freie Energie für eine leuchtende Zukunft“ (moderiert von Imke Byl und Julia Verlinden)

Es wurden sowohl Positivbeispiele von Projekten als auch Projekte, welche nicht geklappt haben, genannt. Anschließend wurden Faktoren gesammelt, welche positiv oder negativ darauf eingewirkt haben. Zu den positiven Projekten gehören Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, Gründung eines Vereins zur Bürger*innenenergiewende, Divestment von öffentlichen Geldern und Beratung für Kommunen, zum Beispiel zu Förderprogrammen. Dazu waren Faktoren wie Motivation und großes ehrenamtliches Engagement, Einbringen in politischen Sitzungen, eine gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und drastischere Aktionen zur Erregung von Aufmerksamkeit wichtig.

Faktoren, welche eine solche Entwicklung verhindert haben, waren die EEG-Novelle der Groko, welche die Energiewende wesentlich erschwert, eine mangelnde Kontrolle der Verwaltung, ein schwierig zu steuerndes Nutzer*innenverhalten sowie fehlende Flächennutzungspläne für Windkraft, welche gerade an vielen Orten zu Konflikten führen und damit den Ausbau der Onshore-Windkraft stocken lassen.

Für die Zukunft wäre es möglich, den Klimaschutz noch stärker auch zur ökonomischen Debatte zu machen, Aktionen zivilen Ungehorsams zu unterstützen und sich stärker mit Fähigkeiten und Wissen zum Beispiel zu Divestment auszutauschen.

Bilder Workshops

Klimaschutz konkret vor Ort?

Nachfolgend präsentieren wir einige Best-Practise Beispiele, die auf dem Klimakongress vorgestellt wurden.

  • Führungen auf Höfen
  • Schulunterricht draußen
  • Bio-Städte: öffentliche Versorgung auf Bio und weniger Fleisch
  • Solawi (Solidarische Landwirtschaft)
  • Tauschringe für Lebensmittelreste (Foodsharing)
  • Filmvorführungen
  • Hannah – Lastenräder für Hannover
  • HannovAIR Connection
  • Fahrradstadt Braunschweig
  • Verkehrsentwicklungsplan pro Klima (Region Hannover)
  • Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V.
  • Global Partnership Hannover e.V.
  • Janun e.V.
  • "Stadt, Land im Fluss"-Projekt (Konsumkritik auf dem Land, Transition auf dem Land)
  • Klimanauten
  • Komsumkritische Stadtführung
  • Zukunftsinseln
  • Erlebnistage Harz
  • Silent Climate Parade – Irritation hervorrufen
  • Fossil Free Göttingen
  • Stop-Kohle Demonstrationsbündnis
  • Bürgerenergiegenossenschaft Schaumburg
  • Kleidertauschparty
  • Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach (erstes kommunales Gebäude der Stadt)
  • LED-Straßenbeleuchtung und Nachtabschaltung
  • Altbauförderprogramm: Zuschuss für Beratung und Maßnahmen der Sanierung
  • Divestment öffentlicher Gelder (Finanzmittel raus aus klimaschädlichen Geldanlagen)
  • Stromnetz zurückgekauft, dass nun in kommunaler Hand ist (auch die Rendite)

Bildergalerie der Veranstaltung