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Streckbetrieb und Laufzeitverlängerung

Atomausstieg bleibt - AKWs abschalten!

Wissenswertes zu längeren Laufzeiten und „Streckbetrieb“

Streckbetrieb meint eine Weiternutzung von noch laufenden Atomkraftwerken, inklusive der dort im Einsatz befindlichen Brennstäbe. Dafür wird die Energiemenge gedrosselt. So wäre der Betrieb länger möglich – die Gesamtmenge der produzierten Energie bleibt jedoch gleich. Bundesweit wird vorrangig über Isar 2 in Bayern diskutiert. Dort hat man in den letzten Jahrzehnten die Energiewende und den Netzausbau ausgebremst und ist maximal abhängig von Gaskraftwerken. CDU und FDP fordern auch einen Weiterbetrieb des AKW Emsland in Lingen. Anfragen von uns zeigen, dass das AKW extrem störanfällig und marode ist. Gleichzeitig kommt ein Streckbetrieb laut Betreiber nicht in Frage, weil der Brennstab bereits so weit aufgebraucht ist, dass er ohnehin früher gedrosselt werden muss.

Um einen Streckbetrieb von AKWs zu gewährleisten, müsste das Atomgesetz vom Bundestag geändert werden. Damit wäre Tür und Tor für all diejenigen geöffnet, die nicht nur einen kurzzeitigen Streckbetrieb, sondern sogar eine deutlich darüberhinausgehende Laufzeitverlängerung befürworten (insbesondere Teile von CDU/CSU und FDP).

Unsere Position

Wir müssen verhindern, dass der gesamtgesellschaftliche Konsens über den Atomausstieg aufgeweicht wird und es in Folge des Streckbetriebs zu einer Laufzeitverlängerung durch die Hintertür kommt. Auch ein Streckbetrieb über das gesetzlich vorgegebene Datum 31.12.2022 hinaus wäre eine Laufzeitverlängerung, die mit dem Atomgesetz beschlossen werden müsste und erfordert zwingend die Sicherheitsüberprüfungen, die 2019 angestanden hätten und wegen des anstehenden Ausstiegs vertagt wurden.

Für uns Grüne ist klar, dass eine Laufzeitverlängerung nicht zur Debatte stehen kann und dass wir den Atomkonsens nicht leichtfertig aufgeben dürfen.

Julia Willie Hamburg
Fraktionsvorsitzende

1. AKWs sind nicht flexibel

Anders als Kohlekraftwerke können AKWs nicht flexibel gefahren werden und damit nicht auf akute Lastspitzen oder Strommangel im Netz reagieren.

2. AKWs verstopfen das Netz zulasten von Erneuerbaren

Wegen ihrer mangelnden Flexibilität verstopfen AKWs schon heute unnötig das Netz, wodurch immer wieder Windenergieanlagen zugunsten von Atomstrom gedrosselt werden müssen. Gerade im Raum Lingen kann deshalb oft weniger Windstrom als möglich genutzt werden.

3. AKWs sind kein Ersatz für Gas

AKWs produzieren Strom und sind als Gas-Ersatz wegen fehlender Wärmegewinnung nicht geeignet.

4. AKWs sind ein Sicherheitsrisiko

Atomkraftwerke bringen große Risiken mit sich – selbst, wenn sie regelmäßig gewartet und intakt sind. Doch für das AKW Emsland bei Lingen ist nicht einmal das gegeben, da die Wartungen 2019 aufgrund des baldigen Laufzeitendes ausgesetzt wurden. Trotz bekannter Korrosionsschäden an Dampferzeuger-Heizrohren, die wir bereits im Mai 2021 scharf kritisiert haben.

5. Die AKWs produzieren nicht viel Strom

Die drei Atomkraftwerke liefern zusammengenommen nur sechs Prozent des Stroms. Das sind Größenordnungen, die durch Einsparungen kompensiert und sogar übertroffen werden könnten.

Wir befinden uns jetzt schon in einem Blindflug, was die Unsicherheit der AKWs betrifft.

Miriam Staudte
Atompolitische Sprecherin

Die Debatte lenkt ab!

AKWs beinhalten ein hohes Risiko bei wenig Ertrag. Gleichzeitig wird die Debatte einseitig, voreilig und ohne Rücksicht auf Sicherheitsfragen angeheizt. Wenn ein Stresstest eine Mangelsituation für den kommenden Winter beschreibt, gibt es viele Maßnahmen, die ergriffen werden können, um dieser zu begegnen. Um sicher durch den Winter zu kommen, brauchen wir deshalb die richtige Mischung aus sicheren und flexiblen Alternativen:

Kohlekraftwerke – Das kurzzeitig kleinere Übel

Auch wenn sie natürlich keine Alternative zum Ausbau der Erneuerbaren Energien sind, ist der begrenzte Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken dem Streckbetrieb von AKWs vorzuziehen. Kohlemeiler sind flexibler in ihrer Stromproduktion, können also auf akute Mängel schnell reagieren. Außerdem bestehen hier bereits die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen, damit sie bis Ende April 2023 weiterlaufen können.

Energiesparen – Die beste Strategie

Es gibt ein enormes Potenzial für Energieeinsparungen bei Gas und Strom. Diese müssen wir identifizieren und nutzen. Um das Heizen in Wohnhäusern effizienter zu gestalten, ist auf Bundesebene beispielsweise eine verpflichtende Heizungsinspektion geplant: Das Einsparpotenzial beläuft sich auf 15 Prozent der Heizkosten! Öffentliche Gebäude sollten das Heizen von Durchgangsbereichen wie Fluren und Foyers herunterschrauben und auch Unternehmen können durch anlassbezogene, freiwillige Einsparungen gegen Entschädigung ihren Beitrag leisten. Strom gerade dann zu verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden ist, vermeidet Lastspitzen und hilft, das Maximum aus Erneuerbare Energien herauszuholen.

Ausbau der Erneuerbaren – die Zukunft der Energiesicherheit

Es gilt jetzt, möglichst schnell die Versäumnisse beim Ausbau der Erneuerbaren aufzuholen. Statt unnötiger bürokratischer Hürden brauchen wir schnelle Planung und Genehmigung für die Solar- und Windkraft. Das gilt besonders in Ländern wie Bayern, wo am ehesten ein Engpass beim Strom drohen könnte, auch weil die CSU den Ausbau von Windenergie mehr oder weniger torpediert. Auch könnte gerade in Bayern das Aufheben der Obergrenzen für Biogasproduktion schon kurzfristig helfen.

Niedersachsen: Vorbildrolle ernstnehmen!

Niedersachsen muss endlich seine Vorbildrolle ernstnehmen: Solarpflicht auf landeseigenen Dächern, ein windenergie-freundliches Landesraumordnungsprogramm und die tabulose Prüfung und Umsetzung aller Maßnahmen, die uns helfen, fossile Energien zu reduzieren. Alle in Bund, Ländern und Kommunen müssen gemeinsam und entschlossen alle Maßnahmen angehen, um eine Energienotlage im Winter zu meistern, anstatt vorschnell und einseitig mit dem Weiterbetrieb von Atomreaktoren gefährliche Risiken in Kauf zu nehmen. Das Ziel muss sein, die Energieversorgung so schnell wie möglich unabhängig von fossilen Rohstoffen wie Gas und Kohle und ebenso von gefährlicher Atomkraft zu machen.

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Der TÜV als privatwirtschaftliche Organisation hat eigene wirtschaftliche Interessen am Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Denn hierbei winken immer wieder attraktive Auftragsarbeiten für den TÜV. Mit dem Ende der Atomkraft bricht ein ganzes Betätigungsfeld für den TÜV…

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