Pressemeldung Nr. 1029 vom

Täterbehandlung als Opferschutz - Grüne kritisieren Versäumnisse bei der Behandlung von Sexualstraftätern

Fehlende Angebote für entlassene Sexualstraftäter in Niedersachsen haben die Landtagsgrünen kritisiert. Bisher sei lediglich der Ausbau der Sozialtherapie während der Haftzeit gesetzlich vorgeschrieben. Der rechtspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Schröder, wies am Montag in Hannover darauf hin, dass wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt hätten, dass psychotherapeutische Behandlung von Sexualstraftätern auch nach der Haft die Rückfallwahrscheinlichkeit erheblich reduziere. "Wenn es die Landesregierung ernst meint mit dem Opferschutz, dann muss sie auch dafür Sorge tragen, dass die Täter nach der Entlassung weiterbehandelt werden können", so Schröder.
Da es bisher weder genügend qualifizierte noch interessierte Therapeuten für dieses Klientel gibt, fordern die Grünen die Landesregierung auf, aktiv zu werden und in Niedersachsen eine psychotherapeutische Ambulanz für Sexualstraftäter einzurichten. In Stuttgart arbeitet eine solche Einrichtung mit finanzieller Unterstützung des baden-württembergischen Justizministeriums seit drei Jahren sehr erfolgreich. In einem Antrag für die kommende Sitzung des Niedersächsischen Landtages weisen die Grünen auf weitere Versäumnisse der Landesregierung wie fehlende Initiativen zur Weiterentwicklung effektiver Behandlungskonzepte und zur Qualifizierung geeigneter Therapeuten hin.
Nach Auffassung der Grünen komme der Bewährungshilfe, die fachlich und personell gestärkt werden müsse, bei der Rückfallvermeidung eine besondere Rolle zu. Scharf kritisiert wird von den Grünen auch, dass den bei der Betreuung von gewalttätigen Männern engagierten "Männerbüros" von der Landesregierung jede Unterstützung verweigert wird. "Justizminister Pfeiffer muss in diesen beiden Bereichen dringend nachbessern, um künftig entlassene Straftäter besser zu betreuen", fordert Schröder.
msp

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