Pressemeldung Nr. 137 vom

Entscheidung um Glyphosat erneut vertagt Miriam Staudte: Bundesregierung muss für ein definitives Verbot stimmen

Darum geht`s

In der heutigen (25. Oktober 2017) Sitzung des aus Fachleuten der einzelnen EU-Mitgliedsländern zusammengesetzten ständigen EU-Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel in Brüssel, wurde über eine Neuzulassung des als krebserregend geltenden Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Glyphosat für weitere zehn Jahre beraten. Erwartungsgemäß fand eine Wiederzulassung keine qualifizierte Mehrheit.

Das sagen die Grünen

Miriam Staudte, verbraucherschutzpolitische Sprecherin

„Die Kommission ist nun am Zug, ein baldiges verbindliches Ausstiegsdatum festzulegen. Eine scheibchenweise Verlängerung der Zulassung muss zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher für jetzt und in Zukunft ausgeschlossen werden! Auch die aktuelle Debatte um die Ursachen des Insektensterbens zeigt, dass wir uns kein ‚Weiter-So‘ in dem umfassenden Einsatz mit Totalherbiziden wie Glyphosat leisten können. Das ewige Vertagen der Entscheidung hat immer noch zur Folge, dass munter weitergespritzt werden darf.“

Zum Hintergrund

Während die EU-Kommission den als krebserregend in Verdacht stehenden Wirkstoff Glyphosat nach monatelanger Debatte unter den Mitgliedsstaaten um weitere zehn Jahre verlängern möchte, sprach sich das EU-Parlament gestern für ein Auslaufen der Zulassung nach 5 Jahren aus. Auch in der heutigen Ausschusssitzung konnte keine qualifizierte Mehrheit für eine Zulassungsverlängerung um zehn Jahre gewonnen werden. Bis zum 15. Dezember 2017 muss über die Verlängerung abgestimmt werden, denn dann endet die offizielle Zulassung. Frankreich, Italien und Österreich hatten sich bereits klar gegen die weitere Zehn-Jahreslaufzeit ausgesprochen. Auch in anderen Ländern regt sich Widerstand. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lehnt eine Neuzulassung ab. Da Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt aber nach wie vor darauf beharrt, wird sich Deutschland aufgrund der Uneinigkeit der Ressorts wohl enthalten müssen.

Rückstände des mutmaßlich krebserregenden Glyphosats lagern sich nachweislich in Lebensmitteln wie Eiscreme, Bier oder Brot. Eine Studie des BfR, die den Verdacht einer Krebsgefährdung durch das Mittel widerlegen wollte, war zuletzt in die Kritik geraten, da sie diese Einschätzung aus Gutachten des Glyphosatherstellers Monsanto ungeprüft und ungekennzeichnet übernommen hatte. Dadurch wurde die Unabhängigkeit des Gutachtens in Frage gestellt. Sowohl für Monsanto, als auch für den deutschen Bayer-Konzern, wenn dieser Monsanto übernimmt, ist Glyphosat ein Milliardengeschäft. Jährlich werden in Deutschland 5.000 Tonnen Glyphosat verkauft. Erhält Glyphosat keine weitere Zulassung, wird dies zudem zu Verlusten mit dem zugehörigen Saatgut führen.

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