Pressemeldung Nr. 45 vom

Janssen-Kucz: Verbreitung der indischen Virus-Variante zügig untersuchen – Landesweit Abwasserkontrollen vorantreiben und fördern

Darum geht’s

Seit Dienstag (18. Mai) ist offiziell bekannt, dass die zuerst in Indien aufgetauchte Corona-Variante B.1.617.2 bei vier Menschen in der Region Hannover entdeckt wurde. Auch in Bremen sind erste Corona-Fälle mit dieser als „indische Variante“ bezeichneten Mutation nachgewiesen. Der niedersächsische Krisenstab erklärte lediglich, man beobachte gemeinsam mit dem Landesgesundheitsamt das Auftreten dieser hochansteckenden Variante sehr intensiv. Besondere Vorsorge wie die Früherkennung durch Abwasserkontrollen sind nicht vorgesehen. Der Krisenstab hält die allgemeinen Corona-Vorsichtsmaßnahmen für ausreichend - trotz der bekannten Folgen bei der schnellen Verbreitung der britischen Variante. Diese hatte vor wenigen Monaten die dritte Corona-Welle ausgelöst.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) steigt der Anteil der indischen Variante in Deutschland und liegt bereits höher als die südafrikanische und brasilianische Varianten. Die Weltgesundheitsorganisation hat sie zu einer „besorgniserregenden Variante“ hochgestuft.

Das sagen die Grünen

Meta Janssen-Kucz, gesundheitspolitische Sprecherin:

„Die Ausbreitung der sogenannten indischen Corona-Mutation erfordert sofort präventive Aktivitäten. Nur dann können wir eine ähnlich gefährliche Entwicklung wie in Großbritannien verhindern. Dort lag vor 6 Wochen der Anteil dieser Virus-Variante auch bei 2 % der bekannten Infektionen, mittlerweile bereits bei 40 %. Eigentlich müssten bei der Landesregierung alle Alarmglocken angehen. Wir fordern den Krisenstab und die Regierung auf, ihren sachlich nicht nachvollziehbaren Widerstand gegen flächendeckende Abwasseruntersuchungen auf Corona-Viren umgehend aufzugeben. Es ist unstrittig, dass auf diese Weise frühzeitig das Infektionsgeschehen regional und lokal aufgedeckt wird, um so schnell gezielt Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Förderung eines Modellprojektes wie bei der Stadtentwässerung in Hannover muss zügig landesweit für alle Kommunen angeboten werden. Das Sozialministerium muss endlich seinen Widerstand gegen Abwasseruntersuchungen aufgeben. Das Umweltministerium ist da offenbar schon weiter, wie die Förderung in Hannover zeigt.

Ohne eine wirksame Vorsorge besteht die Gefahr, dass die von allen so ersehnten Lockerungen schon bald wieder zurückgenommen werden müssen, wenn eine weitere Corona-Welle heranrollt. Wir brauchen eine frühzeitige Gefahrenabwehr, um vor die Infektionslage zu kommen und mit Maßnahmen wie Isolation und verstärkten Impfungen in besonders betroffenen Regionen eine Ausbreitung früh einzudämmen. Es darf nicht sein, wie bei der britischen Variante wieder wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren.“

Hintergrund:

Bisher liegen Erkenntnisse über die Verbreitung von Corona-Viren erst vor, nachdem sich Menschen infiziert haben und dann positiv getestet sind. Mit der Abwasseruntersuchung lässt sich nach bisherigen Erfahrungen in der Praxis 10 bis 12 Tage vor positiven Tests schon feststellen, wo sich die Viren verbreiten. Damit lassen sich frühzeitig Gegenmaßnahmen zur Eindämmung einleiten. Die Begleitforschung in Großbritannien zeigt, dass die indische Virus-Variante B.1.617.2 gegenüber der britischen Variante B.1.1.7 um bis zu 50 Prozent ansteckender ist. Schwerpunkt sind Infektionen bei jüngeren Menschen, insbesondere bei Schüler*innen. Das Umweltministerium fördert das Modellprojekt für Abwasseruntersuchungen in Hannover. Der Krisenstab des Sozialministerium hatte bisher Abwasseruntersuchungen mit Verweis auf die Einschätzung des Landesgesundheitsamtes allenfalls für die Zeit nach der Pandemie für sinnvoll gehalten. Die EU hat mittlerweile wiederholt alle Staaten aufgefordert, die Corona-Früherkennung über das Abwasser umzusetzen.

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