Pressemeldung Nr. 57 vom

Zahl der Vögel sinkt dramatisch Hans-Joachim Janßen: Stummer Frühling auch in Niedersachsen?

Darum geht's

Es gibt immer weniger Vögel in Deutschland und der EU. Das ergibt sich aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion.

Das sagen die Grünen

Hans-Joachim Janßen, naturschutzpolitischer Sprecher

„Wir müssen den Vogelschwund stoppen. Zwar gibt es in Niedersachsen bei Vogelarten wie dem Seeadler, Fischadler, Schwarz- und Weißstorch deutlich positive Entwicklungen. Aber gerade bei Vogelarten des Offenlandes wie Kiebitz, Bekassine und Uferschnepfe, Rebhuhn und Feldlerche haben sich die Brutbestände seit 1990 mehr als halbiert.“

„Insektenschutz ist Vogelschutz. Ohne Nahrung geht unseren Vögeln die Luft aus. Auch deshalb müssen wir eine Trendumkehr beim Insektensterben schaffen: Pestizide müssen verstärkt auf ihre insektizide Wirkung untersucht und gegebenenfalls verboten werden. Blühstreifen an Wegen und Gewässern sowie krautreiche Wirtschaftsflächen müssen ausgedehnt werden. Auch Gärten leisten ihren Beitrag zu einer artenreichen Insektenfauna, wenn sie naturnah und vielfältig angelegt sind.“

„Bodenbrüter des Offenlandes brauchen geschützte Nestbereiche. Mahd, Pflügen und Befahren der der Nistflächen müssen unterbleiben. Landwirte müssen dafür Ausgleichszahlungen erhalten. Zur Finanzierung muss ein höherer Anteil der Agrarförderung von der flächenbezogenen Direktförderung in Agrarumweltmaßnahmen fließen. Niedersachsen hat hierzu bereits verschiedene Programme aufgelegt, wie das Blühstreifenprogramm oder die Förderung ökologischer Strukturen im Siedlungsbereich. Aber auch hier gilt: Zur Finanzierung muss ein höherer Anteil der Agrarförderung von der flächenbezogenen Direktförderung in Agrarumweltmaßnahmen fließen. Und: Zukünftig sind Greening-Programme stärker auf die Sicherung und Entwicklung der Artenvielfalt auszurichten, um den Schwund an Insekten und Vögeln zu stoppen.“

Zum Hintergrund

Die Bestandssituation der Wildvögel in Deutschland und der EU ist dramatisch schlecht. Seit 1980 sind mindestens 300 Millionen Brutpaare in der EU verschwunden, der Bestandsrückgang bei Offenlandvögeln ist besonders stark: Seit 1980 sind 80 Prozent der deutschen Kiebitzbruten verschwunden und über 60 Prozent der Brutbestände von Braunkehlchen und Uferschnepfe. Als Ursachen werden vor allem Lebensraumveränderungen in der Agrarlandschaft und Verknappung des Nahrungsangebots durch Insektenverluste bis zu 90 Prozent gesehen. Auch das sogenannte Greening-Programm der EU hat hier keine Änderung erbracht.

Die Antworten auf die Kleinen Anfrage der grünen Bundestagsfraktion finden Sie hier.  Hinweise auf die Bestandsituation der Brutvögel in Niedersachsen gibt die "Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvogelarten": "Mehr als die Hälfte der 43 Vogelarten, die überwiegend in landwirtschaftlich genutzten, halboffenen und offenen Landschaften siedeln, steht auf der Roten Liste (...). Hierzu zählt nahezu die gesamte ökologische Gruppe der Wiesenvögel, zu der z. B. Kiebitz, Uferschnepfe, Bekassine und Braunkehlchen gehören, wie auch die Gruppe der Feldvögel mit Rebhuhn, Feldlerche, Grauammer und Ortolan." (S. 233) Weiter wird dort festgestellt, dass vor allem die Intensivierung des Ackerbaus und der Grünlandbewirtschaftung sowie der Verlust an Landschaftselementen wie Hecken und Gehölzen ursächlich für die Bestandsrückgänge der Vögel der Agrarlandschaft sind.

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