Minister Tonne warnt vor „Bulimie-Lernen“ Grünen kritisieren fadenscheiniges Agieren des Kultusministers – Vorgaben für die Schulen belasten den Unterricht

Zum Interview von Kultusminister Tonne in der NOZ sagt Julia Willie Hamburg, bildungspolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion:

Der Kultusminister macht es sich reichlich einfach mit seinem Interview. Die Lehrkräfte wissen aufgrund ihrer guten Ausbildung schließlich selbst, dass sie Kinder und Jugendliche nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht ankommen lassen sollten und nicht überfordern dürfen. Doch für die Rahmenbedingungen sind nicht die Lehrkräfte, sondern der Minister und seine Fachleute verantwortlich: Zu wenig soziale Arbeit an den Schulen, zu wenig Schulpsychologie, rappelvolle Kerncurricula zu den vorgeschriebenen Lerninhalten, minimale Reduzierung bei Klausuren und keine Abkehr von der Notenpflicht. Das ist der Rahmen, der für den Unterricht eben keinen ausreichenden Spielraum lässt. Damit konterkariert Minister Tonne das von ihm empfohlene ruhige Miteinander-Ankommen und erschwert insbesondere auch die Inklusion an den Schulen. Der Minister sollte besser bei seinen eigenen Regelungen anfangen und den Lehrkräften mehr Handlungsfreiheit und Sicherheit geben, statt Lehrkräftebelehrung per Medien zu betreiben.

Für die Zeit nach den Sommerferien ist bisher nicht geklärt, ob und wieviel Leistungsdruck in den Schulen bestehen wird und wieviel Vorbereitungszeit die ohnehin schon von der Pandemie belasteten Lehrkräfte haben werden. Da hat der Minister schlicht seine Hausaufgaben noch nicht gemacht. Nicht reden, sondern handeln wäre angezeigt.

 Von seinem unsäglichen „Bulimie-Lernen“-Ausspruch sollte der Minister schnell Abstand nehmen. Bulimie ist eine Krankheit, die ernst genommen gehört. Viele Betroffene haben gerade unter der Corona-Krise zu leiden. Statt diese durch solche Sprachbilder zu stigmatisieren, sollten die schulischen und außerschulischen Hilfsangebote vorangebracht werden.“

Zurück zum Pressearchiv