Bericht offenbart im Fall Lügde systematisches Behördenversagen Grüne: Schutzstandards und Richtlinien standen oft nur auf dem Papier

Zur Aufklärung der Verantwortung des Landkreises Hameln-Pyrmont im schweren Missbrauchsfall Lügde hat die von Landesregierung und Landkreis eingesetzte Sonderermittlerin Christa Frenzel heute ihren Bericht im Sozialausschuss vorgestellt. Dazu sagt Susanne Menge, innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag.

Im Fall Lügde wurde so oft weggeschaut, dass man nicht mehr nur von einer Fehlerkette sprechen kann, sondern von einem eklatanten systematischen Versagen der Behörden. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist offensichtlich. Auf dem Papier gab es hohe Schutzstandards, in der Praxis wurden diese nicht angewendet. Angefangen bei der lückenhaften Falldokumentation, der mangelnden Kooperation der Behörden untereinander oder mit externen Fachmenschen bis hin zu fehlenden Kontrollen.

Der Bericht zeigt auch, dass die Landesregierung in dieser Frage in der Verantwortung ist. Hätten wir in Niedersachsen gesetzliche Standards wie in NRW, wäre der Täter nie Pflegevater des Opfers geworden. Hier muss Sozialministerin Reimann sofort handeln. Auch die Kooperation der Behörden sowie die länderübergreifende Zusammenarbeit  brauchen verbindliche Vorgaben vom Land. 

Schwer erträglich ist, dass Mitarbeiter*innen des Landkreis die Vorlage ihrer Aussagen an die Sonderermittlerin blockiert haben. So bleiben viele Fragen offen. Warum hat der Pflegekinderdienst die Kinderschutzabteilung nicht systematisch eingebunden? Welche Akten wurden manipuliert? Warum ist man den vielen eindeutigen Hinweise nicht nachgegangen? Warum sind alle Sicherungssysteme ausgefallen? Für die Enquete-Kommission, die der Landtag nächste Woche beschließen wird, gibt es noch viel zu tun.

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