Statement:Grüne: Respektvoller Umgang und Geschlechtergerechtigkeit – Nachholbedarf gibt es nicht nur im Gesundheitsbereich
Der Marburger Bund hat Ergebnisse einer bundesweiten Befragung zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im Klinikalltag vorgestellt. Die Zahlen zeichnen ein alarmierendes Bild eines strukturellen Problems, das auch für Niedersachsen von großer Relevanz ist.
Der Marburger Bund hat Ergebnisse einer bundesweiten Befragung zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im Klinikalltag vorgestellt. Die Zahlen zeichnen ein alarmierendes Bild eines strukturellen Problems, das auch für Niedersachsen von großer Relevanz ist. Dazu sagen Eva Viehoff, gesundheitspolitische Sprecherin, und Tanja Meyer, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion:
Eva Viehoff, gesundheitspolitische Sprecherin:
Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung sind keine Einzelfälle, sondern spiegeln strukturelle Probleme wider. Dass im Gesundheitswesen viele Beschäftige davon betroffen sind, wird durch die Umfrage des Marburger Bundes sehr deutlich. Grenzüberschreitungen sind weit verbreitet und haben bislang selten Konsequenzen. Das darf uns nicht gleichgültig sein. Denn es geht nicht um Einzelfälle, sondern eben um tief verankerte Missstände in hierarchischen Arbeitsstrukturen.
Nicht nur, aber eben auch in einem Flächenland wie Niedersachsen, das auf eine funktionierende und von motivierten Personen getragene Gesundheitsversorgung so sehr angewiesen ist, können wir uns die in der Umfrage dargelegten Zustände nicht leisten. Wer unter Druck, Angst oder Herabwürdigung arbeitet, kann auf Dauer keine gute Versorgung sicherstellen.
Tanja Meyer, frauenpolitische Sprecherin:
Die Umfrage des Marburger Bundes macht auch deutlich, dass viele Vorfälle nicht ernst genommen, relativiert oder nicht konsequent aufgearbeitet werden. Das untergräbt das Vertrauen in die Anlaufstellen und verstärkt das bestehende System von Machtmissbrauch und sexistischer Kultur; das gilt im medizinischen Arbeitsumfeld genauso wie generell. Es ist entscheidend, dass institutionell Strukturen geschaffen werden, die Schutz und Prävention ganzheitlich stärken, Transparenz herstellen und Verantwortlichkeiten klar regeln.
Ein diskriminierungsfreies und respektvolles Miteinander und gelebte Geschlechtergerechtigkeit sind keine verhandelbaren Faktoren, sondern grundlegende Voraussetzungen für gute Arbeitsbedingungen, auch und gerade im Gesundheitswesen.
Politisch müssen wir gemeinsam mit allen Beteiligten und insbesondere den Betroffenen Rahmenbedingungen zum Schutz vor Machtmissbrauch, sexualisierter Belästigung und Gewalt weiter vorantreiben.