Pressemeldung Nr. 355 vom

Grüne fordern Ende der atomaren Wiederaufarbeitung - Harms: Betreiber von Atomanlagen in England und Deutschland sind nicht zuverlässig

Der Einsatz von MOX-Brennelementen mit gefälschten Dokumentationen im Atomkraftwerk Unterweser (KKU) führe erneut die Unzuverlässigkeit der Betreiber von Atomanlagen, sowohl in England als auch in der Bundesrepublik, vor Augen. "Gleichzeitig erleben wir die Unzulänglichkeit der Atomaufsicht im Umweltministerium und genau wie beim Castorskandal zeigt sich, dass das Land als Aufsichtsbehörde sich auf den TÜV als Gutachter nicht verlassen kann," meint Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag. Umweltminister Jüttner dürfe es nicht nur "im Karton krachen lassen". Der Vorgang müsse personelle Konsequenzen haben. Auch eine Abschaltung des KKU und ein Austauschen der Brennelemente müsse erwogen werden.
Unabhäng von der Beantwortung der Fragen, wer wann was gewußt habe bei der Preussen Elektra, dem TÜV Nord und im Niedersächsischen Umweltministerium über gefälschte Papiere, steht mit der Veröffentlichung der englischen Regierungsberichte für Harms fest, dass die BNFL (British Nuclear Fuel), die Betreiberin der Atomanlagen in Windscale/Sellafield, nicht vertrauenswürdig ist. "Es reicht! Die betrügerischen Machenschaften, die jetzt ans Licht gekommen sind, müssen der Sargnagel für die Wiederaufarbeitung sein," fordert die Grüne. Sie erinnert daran, dass seit 1952 die Wiederaufarbeitungsanlage die Umwelt verseucht und die Irische See seit langem das am stärksten radioaktiv belastete Meer der Erde ist. In der unmittelbaren Umgebung liege das Blutkrebsrisiko für Kinder und Jugendliche bis zu zehnmal höher als im Landesdurchschnitt. Und jetzt kommt auch noch ans Tageslicht, dass jahrelang systematisch gegen Vorschriften, Verträge und Informationspflichten verstoßen wurde." Die Wiederaufarbeitung müsse endlich gestoppt werden – sie sei keine "schadlose Verwertung" der abgebrannten Brennelemente, wie sie das deutsche Atomgesetz fordere.
uf

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