Statement:Grüne: Endlich Gerechtigkeit für Lorenz – nach einem Jahr ohne Antworten auf drängende Fragen
Am kommenden Montag vor einem Jahr wurde in Oldenburg der 21jährige Lorenz A. getötet.
Am kommenden Montag vor einem Jahr wurde in Oldenburg der 21jährige Lorenz A. getötet. Noch immer ist der tödliche Polizeieinsatz in der Nacht zu Ostersonntag 2025 nicht Gegenstand eines Prozesses. Dazu sagen Lena Nzume, Oldenburger Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag, und Michael Lühmann, innenpolitischer Sprecher:
Lena Nzume, Landtagsabgeordnete aus Oldenburg
Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf Lorenz in Oldenburg bleibt der Eindruck, dass Aufklärung aufgeschoben und die Übernahme von Verantwortung vertagt wird. Es ist vielen Menschen in Oldenburg und anderswo sehr schwer zu vermitteln, dass bis heute nicht einmal klar ist, ob es überhaupt zu einem Gerichtsverfahren kommt. Es geht längst nicht mehr nur um die Rekonstruktion eines einzelnen Einsatzes, sondern um die grundsätzliche Frage, wie transparent und konsequent die tödliche Ausübung staatlicher Gewalt aufgearbeitet wird. Immer wieder wurde und wird Gerechtigkeit für Lorenz eingefordert. Das heißt: Ein Jahr ohne belastbare Antworten auf viele drängende Fragen hätte es nicht geben dürfen!
Lorenz wurde nach seinem Tod in Teilen der Berichterstattung auf stereotype und rassistische Zuschreibungen reduziert. Teils wurde die Darstellung als vermeintlich gefährlich oder kriminell sogar genutzt, um die tödliche Gewalt zu rechtfertigen. Dabei geriet aus dem Blick, wer er wirklich war: ein junger Mensch mit Familie, mit Beziehungen, mit einem in Oldenburg tief verwurzelten Leben. Dass sein Tod letztlich ohne Konsequenzen bleibt, wollen viele und auch ich nicht hinnehmen.
Michael Lühmann, innenpolitischer Sprecher
Bei einem so schwerwiegenden Fall wie den tödlichen Schüssen auf Lorenz A. in Oldenburg ist klar, dass die lange Dauer der Aufarbeitung zu Misstrauen führt. Wo auch nur der Eindruck entsteht, dass die Aufklärung nicht die höchste Priorität besitzt, wird das Vertrauen ins Verfahren belastet. Wir werden darüber zu reden haben, ob und wie die Aufklärung solch brisanter Fälle künftig verbindlicher und organisatorisch anders gestaltet werden kann.
Zugleich hat der Fall den Blick auf polizeiliches Handeln geschärft. Lorenz‘ Tod ist unbedingter Anlass, genau hinzusehen, aufzuklären und – mit Blick auf das Vertrauen in staatliches Handeln – die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dazu zählen für uns Grüne der klar geregelte Einsatz von Bodycams bei Waffeneinsatz, umfassende Auseinandersetzung mit und Reflexion von Diskriminierungsrisiken in der Polizeiarbeit sowie klare Regeln bezüglich der Ermittlungszuständigkeiten.