Tanja Meyer: Rede zur psychosozialen Versorgung von Mädchen und jungen Frauen

TOP 13 - Die psychosoziale Versorgung für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen verbessern

- Es gilt das gesprochene Wort -

Stellen Sie sich vor, Sie sind 15 Jahre alt. Sie sind in einer Clique. Gehen aus, feiern gemeinsam. Und irgendwann fällt Ihnen auf, dass Ihre Freundin selten was isst, wenn sie gemeinsam unterwegs sind. Sie werden sensibel. Und stellen fest, dass sie von allen Gerichten die Kalorien kennt. Dass sie ständig – fast täglich - ihre Laufergebnisse postet, inkl. verbrauchter Kalorien.

Dann postet sie ein Foto, dass sie unglaublich erschreckt: Ein Bild mit einem DinA-4-Blatt vor ihrem Bauch. Ein Trend. Ihr Köper verschwindet hinter dem Blatt Papier.

Sie fassen sich ans Herz und sprechen sie darauf an – und haben Glück. Sie sind gute Freundinnen, sie vertraut ihnen. Und ihr geht es nicht gut. Sie weiß, dass ihr Essverhalten nicht mehr normal ist. Dass sie Hilfe braucht. Und zwar schnell.

Wahrscheinlich kennen Sie die Situation sogar aus der einen oder anderen Perspektive sogar aus ihrem eigenen Leben. Wie ihr geht es nämlich vielen anderen Mädchen auch. Die Zahl an Mädchen mit Essstörungen hat in den letzten Jahren noch mal zugenommen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von ungesunden Schönheitsidealen auf Social-Media, anderen psychologischen Problemen bis hin zu Druck aus der Gesellschaft. Dies in Kombination mit den hormonellen, körperlichen Veränderungen der Pubertät ist besonders herausfordernd.

Viele junge Menschen sind in ihrem Selbstbild, ihrem Selbstwert- und Körpergefühl verunsichert. Zugleich ist der Umgang mit den eigenen Gefühlen erschwert und der Druck von außen groß.

Mädchen in dieser Situation brauchen zügige und niederschwellige Hilfe. Denn eine Essstörung ist eine Verhaltensstörung, die unbehandelt schwerwiegende physische und psychische Folgen hat und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann.

Dem gegenüber steht eine lange Wartezeit auf einen Therapieplatz und auch eine Orientierungslosigkeit, Betroffene und auch ihr Umfeld wissen nicht immer, was sie tun können, wo sie Hilfe bekommen und von wem. Gerade wenn es für eine Klinik – zum Glück - noch zu früh, aber Hilfe notwendig ist.

Um hier direkte Hilfe zu ermöglichen, ist der Zugang zu einer qualifizierten Beratungsstelle und einem niederschwelligen Angebot wichtig. Die Suche nach Ärzt*innen, einem Therapieplatz und psychosozialen Angeboten sind eine wertvolle Überbrückung zur letztendlich notwendigen Therapie.

Am besten ist es jedoch, wenn Essstörungen erst gar nicht entstehen. Deswegen ist der Ausbau der Präventionsmaßnahmen wichtig. Das Hilfe-Angebot ist in Niedersachsen nicht mit dem Beratungsbedarf mitgewachsen. Dem begegnen wir mit unserem Antrag. Es geht darum, dass Angebote gesichert, der Zugang zu Informationen für Betroffene und ihr Umfeld verbessert wird und die Strukturen weiterentwickelt und - wo nötig - verbessert werden.

Gerade, wo wir sehen, dass auch bei uns im Land, Strukturen zur psychologischen Unterstützung für Kinder und Jugendlich wegbrechen, ist dies besonders wichtig. Sicher ist hier immer noch mehr möglich, aber wir sind froh, dass es uns durch die Mittel auf der Politischen Liste gelingt, einen wichtigen Schritt nach vorne zu machen.

Ich bedanke mich beim Ministerium dafür, dass es unseren Impuls hierzu aufgenommen hat und schon ein Konzept erarbeitet hat sowie mit Beratungsstellen hierzu im Austausch ist, damit wir mehr betroffenen jungen Frauen schnell helfen können!

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