Abschließende Beratung:Swantje Schendel: Rede zum Antrag von SPD und Grünen: Schutz für Kinder in den sozialen Medien stärken - Gefahren des Influencer-Marketings entschlossen begegnen

Rede Swantje Schendel© Plenar TV

TOP 23: Schutz für Kinder in den sozialen Medien stärken - Gefahren des In-fluencer-Marketings entschlossen begegnen

- Es gilt das gesprochene Wort -

Während in Berlin gerade intensiv über pauschale Social-Media-Verbote für junge Menschen diskutiert wird, gerät eine andere, ganz konkrete Gefahr aus dem Blick: die kommerzielle Ausbeutung von Kindern durch sogenanntes Family-Influencing.

Es geht hier nicht um Jugendliche, die selbstbestimmt Social Media nutzen. Es geht um Kinder, deren Bilder, deren Gefühle, deren intimste Momente zum Geschäftsmodell werden. Kinder im Krankenhaus. Kinder beim Weinen. Kinder mit verletztem Knie oder im Schlaf.

All das sehe ich regelmäßig auf Instagram. All das bringt regelmäßig hohe Klickzahlen und damit – Geld und Einkommen für Influencer*innen.

Liebe Kolleg*innen - das dürfen wir nicht normalisieren.

Die Ausschussberatungen zu unserem Antrag haben deutlich gemacht: Die aktuelle Rechtslage greift zu kurz. Es gibt Unsicherheiten, es gibt eine hohe Dunkelziffer, es gibt kaum systematische Kontrolle. Und während wir diskutieren, wachsen Kinder in einem digitalen Schaufenster auf, das sie sich nicht selbst ausgesucht haben.

Influencer-Eltern betonen gerne, die Videos und Szenen machten ihren Kindern Spaß, sie wirkten freiwillig mit. Dort aber, wo wirtschaftliche Interessen beginnen, wo Kinder regelmäßig Inhalte produzieren müssen, wo Szenen wiederholt werden, bis sie „passen“, dort geht es nicht mehr nur um Familienalltag.

Dort geht es um Arbeit, dort geht es um Abhängigkeit. Dort geht es um den Schutz der Persönlichkeitsrechte von Kindern. Liebe Kolleg*innen, diese Kinder brauchen unseren Schutz!

Ein aktuelles Rechtsgutachten im Auftrag von Deutschem Kinderhilfswerk und Campact zeigt klar: Kommerzielle Veröffentlichungen können eine Gefährdung von Kindern darstellen, insbesondere wenn diese in emotional belastenden oder intimen Situationen gezeigt werden.

Und auch die Kinderkommission des Deutschen Bundestages hat jüngst festgestellt: „Kinder sind keine Klicks.“ Sie fordert deshalb die Prüfung von Altersgrenzen für Kinder im Rahmen von Influencing, die Prüfung von Löschrechten der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie eine finanzielle Beteiligung von diesen.

Das ist ein wichtiges Signal. Doch Prüfen allein reicht nicht. Es braucht den politischen Druck aus den Ländern. Es braucht auch von uns eine klare Botschaft: Kinder sind keine Klicks und ihre Rechte gelten auch im Internet!

Genau hier setzt unser Antrag an.

Wir wollen klare Regeln. Wir wollen Genehmigungspflichten dort, wo Kinder kommerziell mitarbeiten. Wir wollen, dass auch hier Altersgrenzen gewahrt werden. Wir wollen Schutz vor Überforderung und den Schutz der Intim- und Privatsphäre. Und wir wollen, dass Kinder finanziell beteiligt werden, wenn mit ihnen Geld verdient wird.

Das ist kein Angriff auf Familien. Das ist die Wahrnehmung unserer staatlichen Schutzverantwortung. Kinderrechte gelten auch im digitalen Raum. Und eine unbeschwerte Kindheit darf nicht vom Algorithmus abhängen. Es ist Zeit, dass wir dies auch durchsetzen.

Lassen Sie uns deshalb heute gemeinsam ein klares Zeichen setzen und gemeinsam diesen Antrag beschließen.

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