Stephan Christ: Rede zu E-Fuels (Antrag CDU)

Rede Stephan Christ© Plenar TV

TOP 10 E-Fuels made in Niedersachsen (Antrag CDU)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Ich danke Ihnen und Ihrer Fraktion herzlich, dass Sie diesen Antrag hier eingebracht haben. So gibt er mir die Möglichkeit, hier vielleicht ein für alle Mal den Mythos abzuräumen, E-Fuels könnten die Lösung einer Verkehrswende sein.

Die Erfolgsgeschichte des Autos geht einher mit der Entdeckung von Ölquellen und ihrem beeindruckenden Nutzen. Die hohe Energiedichte von Öl ermöglicht es, durch Raffinierung zu Benzin und Diesel Kraftstoffe zu entwickeln, die sowohl hohe Leistungen als auch hohe Energiedichten ermöglichen. In Kombination mit Automatisierung und Serienfertigung von Autos wurde dies ein wesentlicher Faktor unseres Wohlstandes.

Mindestens genauso beeindruckend und ebenfalls ein solcher Siegeszug ist es, was gerade bei Batterietechnologien stattfindet. Während ich selbst noch im Wahlkampf 2022 davon gesprochen habe, dass wir wahrscheinlich im LKW-Bereich mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen die fossilen Treibstoffe ersetzen werden, hat sich seitdem eine schier unbeschreibliche Entwicklung abgezeichnet. In den letzten Jahren ist die Entwicklung auf dem Batteriemarkt so unfassbar schnell und so groß skaliert, dass ich mich heute hier festlegen würde: Technologisch werden wir in spätestens 2035 100 % aller neuen PKW und locker 98 % aller LKW und schweren Nutzfahrzeugen mit Batterietechnologien betreiben können.

Das bedeutet aber auch: nicht mit E-Fuels. Sie schreiben in Ihrem Antrag, dass „die Nutzung synthetischer Kraftstoffe ein zentraler Baustein für die erfolgreiche Energiewende“ sei. Sie würden „Klimaschutz mit wirtschaftlicher Vernunft“ verbinden. Herr Scharrelmann, wo bitteschön soll hier wirtschaftliche Vernunft sein? Wie kann es wirtschaftlich vernünftig sein, anstatt Strom in einer Batterie zu speichern und diesen anschließend für die Fortbewegung eines Fahrzeugs zu nutzen, diesen zur Produktion von Wasserstoff zu verwenden, welcher zu Methanol umgewandelt werden soll, das nach Deutschland importiert wird und hier mit Kohlenstoff, welches aus CO2, das erst noch per Direct Air Capture gewonnen werden muss, was auch energieaufwändig ist, zu E-Fuels umzusetzen. Diese in einen Tank eingefüllt und verbrannt ergeben ganz viel Wärme und als Nebenprodukt auch ein vergleichsweise kleines bisschen Fortbewegung eines Fahrzeugs. Herr Scharrelmann, wo soll das bitte vernünftig sein?

Dass wir synthetische Kraftstoffe brauchen, ist klar. Dass diese auch bitte in Niedersachsen produziert werden sollen, wo wir gute Bedingungen haben, auch. Dass Sie hier aber mit keinem Wort erwähnen, dass synthetische Kraftstoffe immer eine absolute Nische bleiben werden und wahrscheinlich niemand, der uns hier gerade zusieht, auch nur einen Liter davon tanken wird, ist gefährlich. Gefährlich für eine Transformation weg vom Verbrenner. Alles, was geht, muss elektrisch fahren. Und wenn Sie wieder nach Technologieoffenheit schreien: Das ist das Ergebnis von Technologieoffenheit!

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