Pascal Mennen: Rede zur Sprachförderung (Antrag CDU)
TOP 4/5 – CDU-Antrag zur Sprachförderung
- Es gilt das gesprochene Wort -
Tue Gutes und sprich darüber. Ich übernehme das mal für Sie, sehr geehrte Kolleg*innen von der CDU, denn vor acht Jahren hat das Land Niedersachsen unter Regierungsbeteiligung der CDU die Sprachförderung im NKiTaG geregelt und Sie tun nun so, als gäbe es eine solche Feststellung und Förderung kaum bis gar nicht, frei nach dem Motto: Tue Gutes und vergiss es wieder.
Es ist aktuell nicht nötig, das bestehende Konzept der Feststellung und Förderung gänzlich neu aufzustellen. Und es ist auch nicht nötig, die Grundschullehrkräfte in diesen "Kita-Prozess" vor der Einschulung einzubeziehen.
Ich habe mich gestern mit Vertreter*innen des Deutschen Kita-Verbandes getroffen. Liebe CDU, Sie kennen die Fachleute des Verbandes und (ich nehme an,) Sie schätzen ihren Rat. Und der lautete unmissverständlich: die Förderung sollte alltagsintegriert passieren, eine Überprüfung durch Lehrkräfte von außen in der Form lehnen wir ab. Und obwohl Sie das wissen, beharren Sie auf ihrer Position. Das erstaunt nicht nur mich.
Die Kita ist ein geschützter Raum, eine in gegenseitigem Vertrauen gewachsene Gruppe. Kinder, Eltern und Erzieher*innen kennen und respektieren einander. In diesem Zusammenspiel findet die alltagsintegrierte Sprachförderung statt. Es sind doch die Erzieher*innen, die die Kinder jeden Tag erleben, die mit ihnen sprechen, die ihnen zuhören und in diesem Setting Bedarfe erkennen und Maßnahmen zur Unterstützung auf den Weg bringen, dokumentieren, Eltern informieren usw., das ist geübte Praxis.
Gerade, weil ein so starkes Vertrauen zwischen Kindern und Erzieher*innen gewachsen ist, genau darum ist auch die Akzeptanz für notwendige Sprachförder-Maßnahmen höher als durch externe Personen. Es ist pädagogisch nicht klug, von außen in diesen hochsensiblen Kita-Raum einzudringen.
Einmal ganz praktisch gesagt: Morgens taucht eine für die Kinder völlig fremde Person in der Kita auf, eine Grundschullehrerin. Sie schafft notgedrungen – so sieht es der CDU-Plan vor – eine Art Prüfungssituation für das Kind oder die Kinder und die müssen an einem bestimmten Tag zur Testung in die Grundschule kommen. Nervosität, Druck, ähnliches Ergebnis. Warum? Um zu einem Ergebnis zu kommen, das die Erzieher*innen längst kennen.
Auch die Wissenschaft zeigt, dass das kindliche Gehirn bis zum 7. Lebensjahr eigentlich nur in der Lage ist, alltagsintegriert Sprache zu lernen. So würde es nach Ihrer hochoffiziellen Diagnose also in der Praxis weitergehen wie bisher.
So wird ein wichtiger Prozess erstens überflüssigerweise bürokratisiert und zweitens entfremdet. Gerade für Kinder mit Sprachdefiziten und Sprachförderbedarfen kann eine solche Situation belastend sein und den Lernprozess eher hemmen.
Liebe Kolleg*innen der CDU, im Kern verfolgen wir hier in Niedersachsen doch ein gemeinsames Ziel: Sicherzustellen, dass Kinder mit Sprachdefiziten eine qualitativ hochwertige Förderung erhalten. Wir sind uns doch völlig einig, dass Sprache DAS Instrument der Lernfähigkeit, des sozialen Miteinander oder auch der Integration ist.
Anstatt hier ohne jede Not in ein funktionierendes System einzugreifen, sollten Sie lieber Ihren Unions-Innenminister in Berlin auffordern, den völlig absurden Kahlschlag bei freiwilligen Integrationskursen zu stoppen.
Ich könnte Ihnen jetzt die Geschichte meines syrischen Nachbarn erzählen, der plötzlich 1500 Euro für einen Sprachkurs bezahlen müsste. Geld, das er nicht hat. Das er aber braucht, um die Krankenpfleger-Ausbildung beginnen zu können.
Investitionen in Sprache sind immer kluge Investitionen. Wir haben in dieser Legislatur bereits in Lesen und Schreiben, in Sprachkitas und Spracherwerb in Schule investiert und werden das weiterhin tun. Die Liste ist länger, sie wurde uns im Kultusausschuss vorgestellt.
Ergänzend ist es aber auch gut und richtig, dass Ministerin Hamburg noch einmal darauf hinweist: Der "Integrations-Booster" Sprachförderung muss immer weiterentwickelt werden. Bundesweit einheitliche Standards - Stichwort „Qualitätsentwicklungsgesetz“ (QEG) - sind erstrebenswert, nehmen Sie das also auch gern mit.
Wir werden natürlich auch die niedersächsischen Prozesse permanent optimieren. Ihre Pläne sind aber keine Optimierung, sondern ein Über-den-Haufen-Werfen von Konzepten, die pädagogisch gut und die zudem funktional und etabliert sind.