Fragestunde (AfD):Anne Kura: Rede zur Fragestunde der AfD zum Wolf
TOP 31a: Wölfe attackieren Weidetiere bis in Siedlungen hinein: Wird die Landesregierung schnelle und wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen?
- Es gilt das gesprochene Wort -
Die Debatte um den Wolf wird in unserem Land mit großer Emotionalität geführt. Und ja – wenn man Berichte von gerissenen Schafen sieht, wie zuletzt in Stinstedt im Landkreis Cuxhaven, oder bei Zeven im Landkreis Rotenburg, wo eine große Zahl von Schafen gehetzt und gerissen und verletzt wurde, dann macht das betroffen. Für Weidetierhalter*innen sind Wolfsrisse keine abstrakte Größe, sondern eine reale Belastung – emotional wie wirtschaftlich.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir diese Debatte mit Sachlichkeit führen – und nicht mit Polemik. Niemandem ist geholfen, wenn Ängste geschürt oder Erwartungen geweckt werden, die am Ende rechtlich und praktisch nicht haltbar sind.
Der Wolf ist seit rund 25 Jahren wieder dauerhaft in Deutschland heimisch – auch in Niedersachsen. Er wird bleiben. Das ist ein Erfolg des Artenschutzes. Und der Wolf spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem: Er kann zu vitaleren Wildbeständen beitragen, weil er vor allem schwache und kranke Wildtiere reißt und er kann dazu beitragen, dass sich Wälder besser verjüngen.
Unser Ziel ist ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben von Mensch, Weidetierhaltung und Wolf. Und dafür handelt diese Landesregierung.
Niedersachsen geht hier einen bundesweit beachteten Weg. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte und Umweltminister Christian Meyer bringen Naturschützer*innen und Weidetierhalter*innen und Jäger*innen in einem festen Dialogforum zusammen. Dort wird gemeinsam an Lösungen gearbeitet. Das ist der richtige Weg, um tragfähige Kompromisse zu finden und Akzeptanz zu schaffen – statt zu polemisieren.
Ich kann verstehen, dass die CDU das schmerzt – denn einen solchen strukturierten Interessenausgleich haben Sie in Ihrer Regierungszeit nicht zustande gebracht.
Im Mittelpunkt steht, Nutzzierrisse wirksam zu verringern. Die wichtigste Maßnahme bleibt dabei der Herdenschutz. Niedersachsen unterstützt Weidetierhalter*innen mit einer unbürokratischen Pauschalprämie für den Unterhalt wolfsabweisender Zäune und Herdenschutzhunde. Herdenschutz wirkt – wenn er konsequent umgesetzt wird. Und dort, wo dennoch Schäden entstehen, zahlt das Land Entschädigungen.
Gleichzeitig legen wir den Fokus klar auf Problemwölfe und auf Regionen mit besonders hohen Risszahlen. Der Fall in Stinstedt im Landkreis Cuxhaven war massiv – das ist eine Region mit einer außergewöhnlichen Häufung von Rissen. Umweltminister Meyer war in gutem Austausch mit dem Landkreis. Hier wurde unmittelbar eine Abschussgenehmigung auf den Weg gebracht, um weitere Schäden zu verhindern. Eine Wölfin wurde bereits erschossen.
Solche Fälle zeigen: Es ist wichtig, dass in Fällen, wo Problemwölfe, wiederholt Nutztiere reißen, schnell, unbürokratisch und rechtssicher gehandelt werden kann. Deshalb ist es wichtig, die neuen Regelungen auf Bundesebene zielgerichtet umzusetzen und klare, rechtssichere Verfahren zu schaffen. Niedersachsen ist darauf vorbereitet und bespricht das, wie bewährt, auch im Dialogforum. Künftig müssen Schnellabschüsse noch effizienter greifen können – gerade auch mit Blick auf sensible Bereiche wie den Deichschutz. Und auch für die neuen Managementpläne, die nach den Änderungen auf Bundesebene erstellt werden müssen, gilt: Hier muss der Fokus auf der Entnahme von schadstiftenden Wölfen liegen und die Entnahmen müssen in Einklang mit dem Ziel des günstigen Erhaltungszustands gebracht werden.
Was hingegen nicht zielführend wäre, ist eine undifferenzierte Bejagung oder gar eine starre Obergrenze für Wölfe. Eine solche Obergrenze findet sich im Übrigen auch nicht im Gesetzentwurf der schwarz-roten Bundesregierung. Wer funktionierende Rudel in unproblematischen Regionen zerstört, riskiert, dass andere Tiere nachrücken – mit möglicherweise höherem Konfliktpotenzial. Das wäre das Gegenteil von wirksamem Management.
Der Wolf bleibt eine geschützte Art. Es ist unsere Verantwortung, seinen günstigen Erhaltungszustand zu gewährleisten. Dazu gehört auch ein verlässliches Monitoring, damit wir Entwicklungen faktenbasiert bewerten können.
Und lassen Sie mich eines deutlich sagen: Seit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland hat es keinen einzigen Angriff eines wildlebenden Wolfs auf einen Menschen gegeben. Wer anderes suggeriert, schürt unbegründete Ängste. Der Wolf ist weder Märchenfigur noch Monster – er ist ein Wildtier. Und mit Wildtieren muss man verantwortungsvoll umgehen.
Politik muss faktenbasiert und lösungsorientiert auf die Herausforderungen blicken, die seine Rückkehr mit sich bringt. Wir nehmen die Sorgen der Weidetierhalter*innen ernst. Wir stärken den Herdenschutz. Wir ermöglichen rechtssichere Entnahmen von Problemwölfen. Und wir setzen auf ein regional differenziertes Bestandsmanagement im Dreiklang von Schutz der Weidetierhaltung, Artenschutz und Deichschutz.
Eine rationale Perspektive auf den Wolf bedeutet, Probleme anzupacken, statt Panik zu schüren. Genau diesen sachlichen und verantwortungsvollen Weg geht Niedersachsen.