Anne Kura: Rede zum Rot-grünen Antrag zur Stärkung des Biotopverbundes
TOP 14 - Niedersachsens Biotopverbund stärken und der Biodiversitätskrise begegnen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Alles neu macht der Mai. Wer jetzt draußen unterwegs ist, spürt, was damit gemeint ist: das frische Grün an den Bäumen. Der Ruf der Lerchen über den Feldern. Hummeln summen in duftenden Obstblüten. Der Frühling leuchtet, duftet und klingt. Aber das Leuchten wird blasser, der Duft schwächer, der Klang leiser. Der Grund: der dramatische Rückgang der Artenvielfalt.
Der Mai kann nur erneuern, was der Mensch nicht zuvor zerstört hat. Gefällte Bäume ergrünen nicht, geteerte Wiesen blühen nicht auf. Mit jedem neu versiegelten Quadratmeter schwächen wir unser Ökosystem — und damit unsere Lebensgrundlage.
Deshalb haben wir in den letzten Jahren wichtige Maßnahmen ergriffen: Moorschutz, Biodiversitätsschutz in der Landwirtschaft, Stärkung der Ökologischen Stationen, Wiesenvogelschutz.
Schutzgebiete und Renaturierung sind wichtig — aber isolierte Inseln in einer intensiv genutzten Landschaft reichen nicht. In möglicherweise trockenen Worten wie Verbundkorridoren oder Trittsteinbiotopen steckt etwas sehr Lebendiges: Gemeint sind Hecken, Uferstreifen an Bächen und Flüssen, Blühflächen, Waldränder – Lebensadern.
So, wie unsere Organe die Blutbahnen brauchen, braucht das Ökosystem Verbindungen. Und genau das ist der Biotopverbund: die Lebensadern unserer Landschaft und vernetzte Lebensräume.
Die Ziele, die sich Niedersachsen für den Biotopverbund im Rahmen des Niedersächsischen Weges gegeben hat, sind noch nicht erreicht. Zu lange ging es nicht schnell genug. Deshalb ist es gut, dass unter Rot-Grün in den letzten Jahren intensiver für die Stärkung des Biotopverbunds, unter anderem in den Arbeitsgruppen des Niedersächsischen Weges, gearbeitet wurde: Konzepte, Arbeitshilfen und Förderratgeber liegen vor.
Es ist wichtig, dass wir jetzt nicht nachlassen. Mit unserem Antrag untermauern wir, dass die Realisierung des Biotopverbunds noch konsequenter verfolgt werden muss.
Es ist wichtig, dass der Biotopverbund bei der Novellierung des Landes-Raumordnungsprogramms planungsrechtlich verbindlich gesichert wird. Das Land geht mit gutem Beispiel bei eigenen Flächen voran.
Für die kleinräumliche Vernetzung ist die kommunale Ebene entscheidend, deswegen unterstützen wir sie: Mit Fördermaßnahmen, bei der Sicherung im Rahmen von Regionalen Raumordnungsprogrammen oder der Bauleitplanung, bei der Aktualisierung von Landschaftsrahmenplänen, mit Praxisleitfäden, Best-Practice-Beispielen und Arbeitshilfen.
Der Biotopverbund braucht Fläche — und Fläche ist knapp. Der Nutzungsdruck wächst: Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft, Energie. Deshalb brauchen wir aktive Instrumente wie Flächentausch, Kompensationsflächenpools, Flurneuordnung und auch den Flächenkauf, zusätzlich zum langfristigen Vertragsnaturschutz. Es ist wichtig, dass wir Zerschneidung minimieren. Wo Infrastruktur unvermeidbar ist, soll sie gebündelt werden. Und wo sie bereits trennt, braucht es Wiedervernetzung.
Die Anhörung hat gezeigt: VKU, Landvolk, kommunale Spitzenverbände, Landesjägerschaft, BUND und der Deutsche Verband für Landschaftspflege — alle begrüßen einen starken Biotopverbund. Das ist wichtig, denn die Umsetzung funktioniert am besten Hand in Hand mit den Beteiligten aus den Umweltverbänden und der Land- und Forstwirtschaft, mit den Kommunen.
Jede Schutzfläche ist für die Artenvielfalt wichtig. Doch erst mit Brücken, mit einem Netzwerk, können wir Arten wie die Heidehummel, den Feldhamster, den Igel, das Birkhuhn und viele andere wirksam schützen. Der Biotopverbund stärkt auch natürliche Klimavorsorge und übernimmt Verantwortung für kommende Generationen.
Damit der leuchtende, duftende und klingende Frühling in Niedersachsen nicht nur als Erinnerung bleibt. Damit der Mai auch zukünftig alles neu machen kann.