Anne Kura: Rede zu Igelschutz und Mährobotern (Antrag SPD/GRÜNE)

Rede Anne Kura© Plenar TV

TOP 32 Antrag SPD/GRÜNE: Igel und andere Kleintiere vor Mäh- und Schneidemaschinen schützen - mehr Aufklärung für Verbraucherinnen und Verbraucher, mehr produktbezogene Regelungen für den Tierschutz

- Es gilt das gesprochene Wort -

Wer einmal einen Igel gesehen hat, der von einem Mähroboter aufgeschnittenen wurde, weiß: jeder Fall ist einer zu viel. Das ist grausam.  Das Tierschutzgesetz ist unmissverständlich: ohne vernünftigen Grund dürfen keinem Tier Leiden zugefügt werden.

Dass die Mähroboter nicht dafür ausgerüstet sind, Kleintiere zu erkennen, ist kein vernünftiger Grund. Der Mähroboter hat den ganzen Tag Zeit, er muss nicht in der Dämmerung oder nachts mähen.

Neben Igeln werden häufig auch Echsen, Kröten, Frösche und vereinzelt Haustiere von Mährobotern verletzt. Das will niemand. Auch niemand, der sich einen Mähroboter anschafft. Schon allein aus Gründen des individuellen Tierwohls müssen wir handeln. Vor allem aber aus Gründen des Artenschutzes.

Denn der Igel ist insgesamt bedroht. Zur Zerstörung seines natürlichen Lebensraums kommt die fortschreitende Klimakrise und nicht zuletzt der Straßenverkehr. Die extremen Dürreperioden in den letzten Jahren haben seine Nahrungsquellen versiegen lassen. Die veränderten Jahreszeiten stören seine Winterruhe und bringen sein Leben aus dem Takt.

Der Braunbrustigel, das Wildtier des Jahres 2024, steht seit dem letzten Jahr auf der Vorwarnstufe zur Roten Liste. Er ist nach Bundesnaturschutzgesetz besonders zu schützen. Expert*innen schätzen, dass es in Deutschland heute nur noch halb so viele Igel gibt, wie in den 90ern.

Der Igel hat wegen der zunehmend ausgeräumten Kulturlandschaften seinen Lebensmittelpunkt von Waldrändern, Heckengebieten und artenreichen Wiesen immer mehr in die Siedlungsgebiete verlegt – meist an den Stadt- oder Dorfrand. Dort leben mittlerweile neun Mal so viele Igel, wie auf dem Land.

Wenn der Igel abends und in der Dämmerung in den Gärten unterwegs ist, trifft er vermehrt auf eine relativ neue Gefahr: den Mähroboter. Gegen den helfen seine natürlichen Schutzmechanismen nicht: sich einzurollen und seine Stacheln zu zeigen, statt wegzulaufen macht den Igel stattdessen zum wehrlosen Opfer.

Während die Zahl der Igel also dramatisch sinkt, steigt die Zahl der Mähroboter im Land an. Deshalb ist die Initiative von Umweltminister Meyer richtig, dass die Hersteller zu mehr Igelschutz verpflichtet werden müssen. Und dass das Mähen nachts untersagt wird. 

Die Hersteller müssen ihre Geräte mit Sensorik und Software auszustatten, die Tag und Nacht verhindern, dass Kleintiere wie der Igel oder Amphibien verletzt werden.

Roboter funktionieren mit Algorithmen. Algorithmen sind Regeln. Auf eine Regel mehr oder weniger kommts dem Roboter nicht an. Dem Igel aber schon, sein Leben kann davon abhängen.

Igelschutz muss verpflichtender Standard werden. Am besten mit einer EU-weiten Regel als Bedingung für die Zulassung. Eine klare Vorgabe für Hersteller. Bis dahin muss für Kund*innen klar erkennbar sein, ob ihr Gerät igelsicher ist: Also ein Igel-Siegel. Bislang können die Geräte das nicht ausreichend.

Für Geräte, die nicht über eine wirksame Sensorik verfügen, muss gelten, dass sie nur am Tag fahren dürfen.

Das wollen auch die Menschen in unserem Land. Deswegen haben schon viele Städte und Landkreise sogenannte Nachtfahrverbote erlassen: Leipzig, Köln und wenn wir nach Niedersachsen gucken: Göttingen, Hildesheim, Lüchow-Dannenberg – zuletzt der Landkreis Helmstedt. Das begrüße ich sehr.

Besser als viele Einzelregelungen ist eine bundesweit einheitliche Regelung: Ein bundesweites Nachtfahrverbot ist notwendig und zielführend. Das hat Umweltminister Meyer mehrfach deutlich gemacht.

Ein solches Verbot fordern bundesweites aktuell mehr als 160.000 Menschen per Petition „mindestens von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang“. Auch bei uns in Niedersachsen gibt es eine Petition, die ein Nachtfahrverbot fordert, über 6.000 Menschen haben unterschrieben.

Und die Bundesregierung: blockiert. Wieso eigentlich? Die Bundesregierung muss endlich tätig werden.

Unser Antrag soll das individuelle Leid bei Tieren verhindern und die Arten besser schützen. Die öffentliche Debatte schafft zudem mehr Aufmerksamkeit für Igel und andere Kleintiere, die unser Ökosystem tragen. Pünktlich zum Frühlingsstart.

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