Zensurforderung für Staatsoper unerträglich

Bajus: CDU schadet der Kultur im Land

Darum geht`s

Die aktuelle Inszenierung von Carl Maria von Webers ‚Freischütz‘ an der niedersächsischen Staatsoper in Hannover hat zu kontroversen Diskussionen geführt. Aus den Reihen der CDU, darunter der stellvertretende Vorsitzende der CDU Landtagsfraktion, gab es heftige Kritik und die Forderung nach einem politischen Eingreifen.

Das sagen die Grünen

Volker Bajus, kulturpolitischer Sprecher

„Die Zensurforderung der CDU ist unerträglich. Die Zeiten eines obrigkeitsstaatlich gelenkten Kulturbetriebs, in dem Behörden die Inhalte vorgeben, sind glücklicherweise seit langem Geschichte. Das scheint noch nicht bei allen in der CDU angekommen zu sein.“

„Wir werden diesen Angriff auf die künstlerische Freiheit des größten Kulturhauses des Landes nicht zulassen. Natürlich können und sollen sich auch Politiker in die Diskussion um kontroverse Inszenierungen einbringen, aber bitte als Bürger. Niemals dürfen sie ihre Funktion missbrauchen, um Kunst mundtot zu machen.“

„Moderne Gesellschaften brauchen dringend die Freiheit der Kultur. Kunst, Theater, Oper dienen der Gesellschaft bei der Auseinandersetzung mit sich selbst. Stilmittel, die provozieren, irritieren und subversiv wirken, dienen der Diskursdynamik über Kultur und Gesellschaft. Forderungen nach Werktreue – wie von der CDU beim ‚Freischütz‘ geäußert – sind Ausdruck einer konservativen Sehnsucht nach Stillstand und Berechenbarkeit. Das führt bestenfalls zu kultureller Langeweile und Verödung.“

Zum Hintergrund

Der Freischütz an der Staatsoper Hannover wurde von Kay Voges in einer neuen Fassung und mit aktuellen Motiven inszeniert. Die Staatsoper ist Teil des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover, der größten Kultureinrichtung des Landes. Im Kulturhaushalt 2016, der heute (16. Dezember 2015) im Landtag beraten wird, sind für die GmbH knapp 60 Millionen Euro vorgesehen.