Pressemeldung Nr. 76 vom

„Zentrum für Hauswirtschaft“ Miriam Staudte: Plant Otte-Kinast Gefälligkeitsprojekt für Landfrauen-Verband?

Darum geht´s

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) kündigt die Errichtung eines „Zentrums für Ernährung und Hauswirtschaft“ an. Die Grünen im Landtag befürchten ein Gefälligkeitsprojekt für den Landfrauenverband.

Das sagen die Grünen

Miriam Staudte, ernährungspolitische Sprecherin

„Ein bürgerfernes Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft wird die Menschen nicht erreichen oder gar Ernährungsgewohnheiten verändern. Wir brauchen dezentrale Strukturen für mehr Verbraucherbildung. Es ist zu befürchten, dass Ministerin Otte-Kinast ein Gefälligkeitsprojekt für den Landfrauen-Verband plant, dessen Vorsitzende sie bis zu ihrer Kandidatur war."

„Verbraucherbildung ist wichtig, aber weniger übergewichtige Kinder wird es nur mit der besseren Kennzeichnung von Lebensmitteln geben. Auf Kinder ausgerichtete Werbung für stark zuckerhaltige Produkte muss verboten werden. Andere Länder zeigen, dass das funktioniert."

Zum Hintergrund

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts leidet mittlerweile jeder vierte deutsche Erwachsene und jeder zehnte Jugendliche unter Fettleibigkeit (Adipositas), mit steigender Tendenz. Auch Folgeerkrankungen Adipositas, wie Typ-2-Diabetes, koronare Herzkrankheit, Gallensteine, Hypertonie, Endometriumkarzinome, Gelenkerkrankungen etc. nehmen drastisch zu, mit beachtlichen Kosten für das Gesundheitssystem.

In einem offenen Brief an die Bundesregierung vom 02. Mai 2018 fordert ein breites Bündnis aus 15 Ärzteverbänden, Fachorganisationen und Krankenkassen die Politik zu verbindlichen Maßnahmen gegen den überhöhten Zuckerkonsum auf. Besonderer Bedeutung messen sie dabei einer Abgabe auf zuckerhaltige Produkte wie gesüßte Getränke bei. Dabei berufen sie sich auf Empfehlungen eines aktuellen WHO-Berichts zu Fiskalpolitischen Instrumenten zur ernährungsbedingten Gesundheitsprävention. Laut WHO reduziere eine Abgabe um 20 Prozent auch den Konsum der Produkte um 20 Prozent und trage dadurch zum Abbau des Krankheitsrisikos bei Adipositas und Diabetes bei. Wie Beispiele aus Belgien, Chile, Finnland, Ungarn, Mexiko, Portugal, Frankreich, Großbritannien etc. zeigen, führen immer mehr Länder Sonderabgaben auf gesüßte Getränke ein, bzw. beabsichtigen dies. Auch spricht sich das Gesundheitsbündnis gemäß Empfehlungen der WHO-Kommission ECHO („Ending Childhood Obesity“) für eine gesetzliche Regulierung der an Kinder gerichteten Werbung ungesunder Produkte aus. Produkte mit einem hohen Gehalt an Fett, gesättigten Fetten, Salz und/oder Zucker dürften beispielsweise nicht mit Comicfiguren oder Spielzeugbeigaben beworben werden. Otte-Kinast lehnt eine Zuckersteuer ab. Sie setzt ausschließlich auf freiwillige Maßnahmen. Auch solle Ernährung als Schulfach eingeführt werden. Wie sie dies angesichts des Lehrkräftemangels an Schulen umzusetzen plant, lässt sie jedoch offen.

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