Rede Miriam Staudte: Antrag (interfraktionell) zur Lebensmittelverschwendung

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, meine Damen und Herren Abgeordnete! 

82kg Lebensmittel werden jährlich pro Kopf weggeworfen. In Niedersachsen entspricht die Menge der weggeworfenen Lebensmittel einer Anbaufläche von 75.000 Hektar. Es ist ethisch nicht zu ertragen, dass eine Milliarde Menschen hungern und etliche Wohlstandsnationen Lebensmittel wegschmeißen. Die Zahlen machen deutlich, es gibt einen dringenden Handlungsdruck. Diese Ressourcenverschwendung ist nicht weiter hinnehmbar. Es geht nicht nur um die Lebensmittel selbst: Das Grundwasser, das für die Bewässerung benötigt wurde, der Energieeinsatz, die Spitzmittel, der Dünger. Besonders ethisch fragwürdig wird es natürlich auch, wenn wir Tiere töten, und dann das Fleisch wegwerfen.

Es gibt nicht eine einzige Ursache, es gibt auch nicht den einen Akteur, den man dafür verantwortlich machen kann, das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir hier mit allen Fraktionen einen gemeinsamen Antrag beschließen.

Obwohl niemand Lebensmittelverschwendung gut findet, gibt es nur einige wenige Initiativen sie einzudämmen.

An aller erster Stelle muss man natürlich die Tafeln loben, die dafür sorgen, das unverkäufliche Lebensmittel Bedürftigen zur Verfügung gestellt werden, in Suppenküchen treffen Menschen zusammen, die ansonsten unter sozialer Isolation leiden. Und dann ist da noch das Engagement der Verbraucherzentralen und der Landfrauen zu würdigen, die sich diesem Thema von Seiten der Aufklärung und Bildung nähern und mit handfesten konkreten Ideen wie Rezeptesammlungen für Reste zur Tat schreiten. Ganz herzlichen Dank allen Engagierten an dieser Stelle. 

Im Laufe der Anhörung wurde uns vor Augen geführt, dass die Lebensmittelverluste im gesamten Produktionsprozess anfallen:

Lebensmittel, die nicht den Normen entsprechen werden oder in Zeiten geringer Nachfrage reif werden, werden vernichtet. Beispiel: 2 von 3 Salatköpfen werden gleich auf dem Feld untergepflügt.

Dann der Handel, der Lebensmittel in Überfülle vorhalten muss, weil die Verbraucher selbst 5 Minuten vor Feierabend an der Brottheke noch 40 Brotsorten zur Auswahl haben wollen. Hier wird unnötiger Weise Abfall produziert.

In der Gastronomie müssen Lebensmittel weggeworfen werden, weil Produkte, die schon einmal auf dem Buffet lagen, am nächsten Tag nicht noch einmal angeboten werden dürfen. Übergroße Portionen in Restaurants, die kein Mensch schafft, damit Kunden nicht verloren gehen, die sonst denken könnten man möchte an ihnen sparen.

Und dann natürlich noch wir selbst, die Endverbraucher, die sich nicht trauen, einen Joghurt zu essen, der einen Tag abgelaufen ist, die nicht haushalten können, die stressige Jobs haben , ein unregelmäßiges Leben führen und wenn sie nach drei Tagen Plenum in den Kühlschrank schauen, die Hälfte wegwerfen müssen.

Es gibt einen Strauß an Ideen, wie man Vorgehen könnte: Wichtigster Punkt für uns im Antrag, die Einrichtung eines Runden Tisches, um mit allen relevanten Akteuren einen Plan zu erarbeiten, welche Maßnahmen gewünscht und realisierbar sind.  

Wenn der Handel auch ungenormte Lebensmittel wie die dreibeinige Möhre anbietet, wenn der Kunde nicht lamentiert, dass er abends nur noch 5 Brotsorten zur Auswahl hat, wenn Restaurants sich verständigen, künftig keine übergroßen Portionen anzubieten und dafür auf Nachfrage Nachschlag offerieren, wenn unsinnige Vorgaben wie das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Reis, der sich Jahrzehnte hält, nicht mehr aufgedruckt werden muss, dann sind wir einen Schritt vorangekommen. Ich bin gespannt auf das Ergebnis des Runden Tisches und hoffe, dass wir alle am Ball bleiben.