Rede Eva Viehoff FDP-Antrag Duale Ausbildung

- es gilt das gesprochene Wort - 

 

 

Anrede,

der vorliegende Antrag ist ein Sammelsurium verschiedener Punkte, von denen die meisten bereits beschlossen sind. Der Rest ist an Plattitüden kaum zu unterbieten.

Eigentlich muss man sich bei Ihnen bedanken – nämlich für das Lob rot/grünen Regierungshandelns in der 17.Wahlperiode. Danke dafür!

So haben wir in den letzten Monaten der alten Wahlperiode eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die nun so überraschend wie überflüssig in dem Papier der FDP wieder auftauchen:

1.   Wie Punkt 1 des FDP-Antrags. Das ist eine alte grüne Forderung schon aus der 16. Legislaturperiode. Mit dem Beschluss zur Drucksache 17/6775 „Berufliche Bildung stärken“ ist der Punkt längst erledigt. Es gibt sogar schon den verbindlichen Erlass „Berufsorientierung an allgemein bildenden Schulen“ dazu. Haben Sie den denn im Vorfeld zu ihrem Antrag nicht zur Kenntnis genommen?

2.   wie Punkt 3 – Sie können ihn unter Punkt 8 in der Drucksache 17/6775 nachlesen.

3.   Und  danke, dass sie nochmal darauf hinwiesen, dass die Befreiung bei den Aufstiegsqualifikationen von Lehrgangs- und Prüfungsgebühren längst Konsens sind  und fraktionsübergreifend beschlossen ist . Das war doch sogar Ihr eigener Antrag, den wir im August einstimmig beschlossen hatten (Drs. 17/8548).

4.   Warum Sie jetzt erneut die Fahr- und Unterbringungskosten für Auszubildende anführen, obwohl auch deren Erstattung fraktionsübergreifend und einstimmig im September vom Landtag beschlossen wurde, kann ich sachlich nicht nachvollziehen (CDU-Antrag Drs. 17/8591).

Fällt Ihnen denn nichts Neues ein? Für politisches Gestalten braucht es mehr als alte erledigte Aufgaben aus der letzten Wahlperiode aufzuwärmen und Allgemeinplätze zu beschreiben!

Anrede,

dabei ist das Thema doch so wichtig! Die Duale Ausbildung in Deutschland ist eine wesentliche Grundlage für unseren wirtschaftlichen Erfolg! Im europäischen Vergleich stärkt und sichert sie unsere Wettbewerbsfähigkeit. Es ist unsere Aufgabe, die Duale Ausbildung nachhaltig zu gestalten. Denn wir brauchen in Zukunft eher mehr und noch dazu besser ausgebildete junge Leute als bislang.

Der aktuelle Ausbildungsreport 2017 des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt indes auf, dass Verbesserungen nötig sind:

Trotz bester Konjunktur und trotz der vielen einzelnen Betriebe, die keine Lehrlinge für ihre Ausbildungsplätze finden, gilt nach wie vor: Es gibt bundesweit und auch in Niedersachsen viel zu wenig Ausbildungsstellen.

Laut Bundesagentur für Arbeit waren zum Start des laufenden Ausbildungsjahres, also am 30.9.2017, zwar noch gut 3.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, gleichzeitig waren jedoch noch mehr als 10.000 junge Menschen auf der Suche.  Die Zahl bildet dabei nicht die Gesamtzahl der erfolglosen Bewerber*innen ab. Denn nach wie vor bleiben viele junge Menschen im sogenannten Übergangssystem hängen oder bekommen sogar gar keinen Platz, nachdem sie die Schule verlassen haben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mündeten 2016 in Niedersachsen fast 39.000 junge Menschen im Übergangssystem.

Hinzu kommt, dass viele der befragten Auszubildenden massiv über die Qualität ihrer Ausbildung klagen. Ein Drittel von ihnen gab an, keinen betrieblichen Ausbildungsplan zu haben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir es uns nicht leisten können, diese jungen Menschen von der Teilhabe durch Bildung auszuschließen und sie zu verlieren – aus wirtschaftlichen, aber auch aus sozialen und ordnungspolitischen Gründen.

Anrede,

wir wollen die Zahl und Qualität der Ausbildungsstellen erhöhen. Und das können wir auch schaffen, wenn wir die richtigen Maßnahmen ergreifen. Wir fordern eine Ausbildungsplatzgarantie, die zunächst als Modellprojekt in ausgewählten Kommunen laufen und evaluiert werden soll. Und wir wollen eine Ausbildungsplatzumlage. So wie sie der Bau schon seit rund 40 Jahren praktiziert. Mit Erfolg – die Baubranche ist die Branche mit der höchsten Ausbildungsquote! Der Anreiz motiviert Unternehmen auszubilden und er stärkt die Branche insgesamt, weil so wichtige Fachkräfte für alle ausgebildet werden können.

Gleiches versucht Niedersachsen mit dem Umlageverfahren für die Pflegebranche. Damit hat auch NRW schon beachtliche Erfolge erzielen können: Seit der Einführung vor zwei Jahren konnten die Zahl der Auszubildenden um 45 Prozent gesteigert werden!

Anrede,

wir wollen die Duale Ausbildung stärken und fördern – aber nicht mit kaltem Kaffee von gestern, sondern mit wirksamen Instrumenten von heute!

Danke!

 

 

 

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