Rede Regina Asendorf: Antrag (SPD/GRÜNE) zur Nordseekommission

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

wenn Sie an der Küste entlang durch Weser-Ems, Groningen und Friesland in den Niederlanden fahren, stellen sie unweigerlich fest, dass diese Regionen sehr viel mehr Gemeinsamkeiten haben, als z.B. Weser-Ems mit der Harz-Region.   

Die Landschaft, die geographische Lage, die wirtschaftlichen Grundlagen, der Tourismus, vieles verbindet diese Region und es ist daher logisch, diese Region darin zu unterstützen, weiter zusammenzuwachsen und ihre Potentiale zu verbinden.

In dem Zusammenwachsen der Regionen wird Europa beständiger und für die Menschen erkennbarer. Die Menschen identifizieren sich mit dieser Region.    

Als ich letztens in meiner alten Schule in Jever die Jugendlichen fragte, ob sie mit ihren Vereinen, Schulklassen oder der Kirche oft ins Ausland fahren, wurde das verneint. Ich habe nachgefragt, wohin sie denn fahren würden. Die Antwort: in die Niederlande.

Dass das Ausland sei, war den jungen Leuten schon fremd. Die Region wird bereits gelebt.    

Es ist daher mehr als nur eine Solidaritätsbekundung zu Europa, wenn wir wieder in die Nordseekommission zurückkehren, eine Kooperationsplattform von immerhin 34 an den Küsten der Nordsee gelegenen Regionen. Es ist gar nicht vorstellbar, dass Niedersachsen beim Zusammenwachsen der europäischen Regionen nicht mitmacht und vor allen Dingen nicht mit endscheidet. Die Jugendlichen, die in der Schule getroffen habe, waren da schon weiter. 

Europa wird zunehmend in Regionen gedacht. Es liegt auf der Hand, dass die regionale Interessenslage eine hohe Motivation für gemeinsame Projekte über Ländergrenzen hinweg liefert. Mit der erneuten Mitgliedschaft kann Niedersachsen jetzt an der von der EU-Kommission 2013 in Auftrag gegebenen Nordseestrategie mitwirken. Der Ausschuss der Regionen fordert dies bereits seit 2010.

Da Niedersachsen obendrein den Vorsitz des Deutschen Ausschusses Interreg Nordsee inne hat, ist es wichtig, dass Niedersachsen in der Dachorganisation die Entwicklung in diese Richtung mit beeinflussen kann.

Schließlich ist das Ziel der Nordseestrategie, im Nordseeraum einen ähnlich hohen Einfluss zu bekommen, wie die Ostseestrategie im Ostseeraum, die sich bereits als Makroregion entwickelt hat. Regionale und niedersächsische Interessen können so auf europäischer Ebene platziert werden. Aktuell arbeitet die Nordseekommission an Themen z.B. im Bereich Maritime Politik und Maritime Raumplanung sowie der Förderung eines gemeinsamen Nordseestromnetzes. Bei den Folgerungen aus der Umsetzung der europäischen Meeresschutzrahmenrichtlinie ist Niedersachsen nun ebenfalls beteiligt.

Gemeinsame Interessen in der Nordsee-Region bei Wirtschaft, Verkehr, Klimawandel, Natur- und Umweltschutz, Energie, Tourismus und maritime Ressourcen müssen durch gemeinsame Projekte vernetz werden. Schließlich geht es auch um den Zugang zu EU-Fördermitteln.

Längst arbeiten die Regionen Weser-Ems und z.B. die Provinzen Drenthe, Friesland und Groningen zusammen. Unterschiedliche Verwaltungen, Institutionen, wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen setzen sich gemeinsame Ziele und lernen zusammen, diese zu erreichen. Sprachbarrieren werden überwunden und neue Strategien entwickelt. Man lernt sich kennen. Daraus entsteht mehr gegenseitiges Verständnis und jedes neue Projekt geht wieder schneller.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Niedersachsen wieder im Reigen der Regionen der Nordsee mitmacht. Ich wünsche dem Unternehmen viele gute Projekte und gute Kontakte mit unseren Nachbarn.

Vielen Dank.