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31. Januar 2012

GRÜNE stellen Konzept für zeitgemäßen Ausbau und Sanierung des Plenartrakts vor

Mehr Platz, mehr Licht und weniger Kosten

Die Landtagsgrünen haben heute (Dienstag) ihre Vorschläge für die weitere Beratung und Beschlussfassung zu den Baumaßnahmen im Plenartrakt des Leineschlosses vorgestellt. Darin sprechen sie sich erneut gegen einen Neubau und für die Sanierung des Oesterlen-Baus aus. "Unser Konzept zeigt auf, wie mit deutlich geringeren Kosten deutlich mehr Platz und mehr Licht geschaffen werden können", sagten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gabriele Heinen-Kljajic und der hannoversche Abgeordnete Enno Hagenah bei der Vorstellung der Pläne, die in Zusammenarbeit mit Fachleuten entwickelt worden sind.

Pressefoto Landtagsumbau
Gabriele Heinen-Kljajic und Enno Hagenah präsentieren Vorschläge zum Umbau des Plenarsaales (im Hintergrund)

Ausgangspunkt ist ein im Dezember 2011 vom Landtagspräsidenten Dinkla vorgestelltes Gutachten zur Sanierung. Die Grünen-PolitikerInnen wollen dieses Modell mit "maßvollen und bestandsorientierten Ergänzungen" um sechs Punkte erweitern. Dazu gehören Lösungen, die Barrierefreiheit und zusätzliche Raumqualität zum Beispiel durch Tageslicht bieten.

"Mit diesem Vorschlag wird dem Denkmalschutz wieder zum Recht verholfen. Auch mit den zusätzlichen Maßnahmen liegen die Kosten für die Sanierung des Plenarsaals deutlich unter denen, die für einen Neubau veranschlagt werden müssen", sagten die Grünen-Politiker.

 

Sanierung und zeitgemäßer Ausbau des Plenarsaalbereiches

 Das vom Landtagspräsidenten Hermann Dinkla im Dezember 2011 vorgestellte Sanierungsgutachten geht von Kosten in Höhe von 20,8 Mio. Euro aus. Laut Auskunft der Planer sind darin auch bereits 85 bis 90 Prozent der Kosten für die energetische Sanierung des Gebäudes berücksichtigt. Allein für die moderne Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist z.B. ein Betrag von etwa 4 Mio. Euro veranschlagt; außerdem erhält das Dach endlich die notwendige Wärmedämmung und wird nach diesen Plänen neu mit Kupfer gedeckt.
Nach der Vorlage dieses Gutachtens ist die Behauptung, dass eine Sanierung deutlich teurer würde als ein Neubau, nicht länger zu halten.

Wir stellen fest: Mit dieser Berechnung wird dem Denkmalschutz wieder das nötige Gewicht eingeräumt; der Erhalt ist eindeutig wirtschaftlich und kalkulierbar.

Die im Gutachten benannten rd. 21 Mio. Euro für die Sanierung enthalten auch einen Millionenbetrag für die Herrichtung der Eingangshalle im Leineschloss und des Lichthofes und einen 10prozentigen Sicherheitsaufschlag. Da diese Kosten auch bei einem Neubau zusätzlich einzukalkulieren sind, sollten sie im direkten Vergleich der Varianten nicht ausschließlich in der Kostenkalkulation der Sanierung aufgeführt werden.

 Ohne diese Aufschläge betragen die reinen Sanierungskosten aus dem Gutachten nur gut 16 Millionen Euro.

Das Konzept der Grünen schlägt vor, mit maßvollen und bestandsorientierten Ergänzungen zur Sanierung, eine zeitgemäße Gestaltung mit Respekt zum Bestand zu erarbeiten. Das entspricht dem Herangehen privater Bauherren, wenn ihnen Auflagen für ein denkmalgeschütztes Gebäude erteilt werden.
(Die Preise sind Schätzwerte, z.T. nach Abzug ersparter Instandhaltung):

  1. Bei der brandschutztechnischen Sanierung des Restaurants im Untergeschoss sollen eine Öffnung zum Platz der Göttinger Sieben und eine stärkere Nutzung der Lage am Leineufer umgesetzt werden. Dazu wird der Eingangsbereich in die Gebäudeecke (Präsidentensuite) verlegt und der bisherige Eingang erhält als Erweiterung des Restaurants eine großzügig mit Glasschiebetüren ausgestattete Öffnung zu dem neuen, zweiten Außengastronomiebereich auf dem Platz. Der bisherige Außenbereich zur Leine hin wird durch eine Verglasung auch im Bereich der bisherigen Mauer stärker zum Fluss geöffnet.  (ca. 1 Mio. €)

Plenarsaal Sockelgeschoss

  1. Der behindertengerechte Zugang zum Gebäude ist über den bestehenden Eingang am Parkplatz mit einer Rampe bereits vorhanden. Von dort kommt man direkt zu den zu kleinen Zwillingsfahrstühlen auf der Ebene. Deshalb soll zusätzlich der jetzige Fahrstuhl zur Erschließung des Tunneldurchganges rollstuhlgerecht zum Erdgeschoss und Obergeschoss ausgebaut werden. (ca. 0,7 Mio. €)  
  2. Erweiterung der Besuchertribünen um je zwei weitere Stuhlreihen in den Bereich des Plenarsaales und Parallelverschiebung des Sitzungsbereiches in Richtung Lichthof mit gläserner Öffnung des Plenarsaales hin zum Lichthof. Die dadurch wegfallenden Besprechungsräume der Landesregierung werden im übrigen Nebenraumbereich des Plenarsaales untergebracht.  (einschl. Kellerdeckendämmung ca. 4 Mio. €) 

Plenarsaal Hauptgeschoss

  1. Verschiebung des im Sanierungsgutachten vorgesehenen Wassertanks auf die gegenüber liegende Seite des Lichthofes; Errichtung eines gläsernen LPK-Raumes auf dieser Hälfte des Lichthofes. Der dort vorhandene Baum kann erhalten werden. (ca. 1 Mio. €)
  2. Öffnung der Medienräume im Obergeschoss zum oberen Wandelhallenbereich durch innenliegende Fenster. Soweit weiterer Raumbedarf besteht, können auch noch ergänzende Medienräume eingerichtet werden. (ca. 0,3 Mio. €)

Plenarsaal Obergeschoss

  1. Ersetzen des bisherigen Kupferdachs durch eine moderne, wärmedämmende und transparente Überdachung auf der vorhandenen Konstruktion zur weiteren Belichtung des Plenarsaals (Tageslicht). ( ca. 2 Mio. €)

Plenarsaal Dachgeschoss

Damit ergeben sich Sanierungs- und Umbaukosten von insgesamt nur 25 bis 30 Mio. €.

Hier die dpa-Meldung zu unserer Pressekonferenz (copyright: dpa/lni)

Grüne: Sanierung des Landtags weit günstiger als Neubau =

Gegen den geplanten Abriss und Neubau des Landtags in Hannover laufen Bürger und Denkmalschützer Sturm. Die Grünen-Fraktion präsentierte nun einen eigenen Vorschlag zur Modernisierung des denkmalgeschützten Parlamentsgebäudes.

Hannover (dpa/lni) - Eine Sanierung des maroden niedersächsischen Landtags ist nach Auffassung der Grünen-Fraktion weit günstiger als ein Abriss und Neubau. Für maximal 30 Millionen Euro könnte das denkmalgeschützte Gebäude erhalten und zeitgemäß ausgebaut werden, betonten die Abgeordneten Gabriele Heinen-Klajic und Enno Hagenah am Dienstag in Hannover. Nach dem Grünen-Vorschlag soll unter anderem durch Glaselemente mehr Licht in den Plenarsaal fallen.

Auch die Linksfraktion sprach sich erneut für eine Sanierung des Parlaments aus. Die Fraktionen der CDU und FDP kritisierten dagegen, dass die Grünen mit einem eigenen Vorschlag vorgeprescht seien.

Die Debatte um den Landtag zieht sich seit Jahren hin. Bereits 2010 hatte die Mehrheit der Abgeordneten für einen Neubau gestimmt. Der Architekt des Siegerentwurfs, Eun Young Yi, soll bis April in einem Gutachten nachweisen, dass er den gesteckten Kostenrahmen von 45 Millionen Euro einhalten kann. Eine Risikoanalyse des Finanzministeriums beziffert die Kosten auf 65 Millionen Euro.

Landtagspräsident Hermann Dinkla hatte im Dezember ein Gutachten vorgestellt, wonach eine Sanierung des Oesterlen-Baus aus dem Jahr 1962 mindestens 20,8 Millionen Euro kosten würde. "Die bisherige Absprache zwischen allen Parteien war, dass wir uns Mitte Februar bei der nächsten Sitzung der Baukommission darüber verständigen, welche Sanierungsmaßnahmen wünschenswert sind", sagte SPD-Fraktionschef Stefan Schostok. Die SPD werde bis dahin Anforderungen formulieren.

Die Grünen wollen nun aufs Tempo drücken. Die Abgeordnete Heinen-Kaljic kritisierte, die anderen Fraktionen hätten vermutlich keine klare Vorstellung, wo es hingehen soll. Sie habe den Eindruck, CDU und FDP wollten das Thema aus dem Landtagswahlkampf heraushalten. "Das soll ausgesessen werden", erklärte auch die parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion, Ursula Weisser-Roelle.

CDU und FDP wiesen den Vorwurf zurück. "Die Zeitpläne sind in der Baukommission einstimmig beschlossen worden. Ich kann da kein Verschleppen erkennen", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Jens Nacke. Für die Union gilt weiterhin der Parlamentsbeschluss für einen Abriss und Neubau. "Der Grünen-Entwurf bleibt deutlich hinter Yi zurück. Man kriegt für 30 Millionen Euro etwas Schlechtes oder für 45 Millionen Euro etwas Gutes."

Der FDP-Abgeordnete Christian Grascha plädierte für einen sorgfältigen Vergleich der Sanierungs- und Neubau-Variante: "Es geht um die kostengünstigere und risikoärmere Lösung."

 

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